Gedenkstätte Stollberg – Haftanstalt Hoheneck

4. September 2014

Die Gedenkstätte Stollberg – Haftanstalt Hoheneck hat ihr Interimsbüro im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Haftanstalt Hoheneck eröffnet. Wir freuen uns, für Sie vor Ort präsent zu sein und Ihre Anfragen als Förderverein der Gedenkstätte entgegenzunehmen. Informationen zu Führungen, insbesondere zu diesbezüglichen Terminen, können Sie persönlich bzw. telefonisch im Büro der Gedenkstätte zu den Öffungszeiten erhalten. Außerhalb der Öffnungszeit kontaktieren Sie uns bitte über die Handy-Nummer. Wir freuen uns sehr über Ihr Interesse und Ihre Anfragen.

Öffnungszeiten:

montags 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
freitags   14.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Tel. 037296-924168
Handy 0152-06268553

Ansprechpartnerin: Eva Werner


Leutnant Hannes / Oberleutnant Schubert

4. September 2014

Wer kann sich an eine Hohenecker „Erzieherin“ namens Leutnant Hannes (später verheiratete Schubert, dann im Rang einer Oberleutnant) erinnern und Angaben machen?

Informationen bitte an R.Werl@t-online.de – vielen Dank vorab!


Grosses Interesse an Schicksalen

26. Juli 2014

Schloss Hoheneck: Berichte von Zeitzeugen gefragt

Stollberg. Die Kritik einer Besucherin aus Eibenstock, die während ihres Besuches auf Schloss Hohen-eck am vergangenen Sonntag die Möglichkeit des Kontaktes zu Zeitzeugen vermisst hatte, war unberechtigt. Denn zur Veranstaltung der „Schlössertour“ bestand durchaus die Möglichkeit, mit Menschen zu sprechen, die das frühere Frauengefängnis Hoheneck aus eigenem Erleben kennen. Vier ehemals politische Gefangene dieses Ortes standen den Besuchern im Kino- und Veranstaltungssaal den gesamten Tag Rede und Antwort über das Erlebte: Annemarie Krause, Konstanze Helber, Rosel Werl und Edda Schönherz.
„Der Saal war ständig mit interessierten Menschen, die etwas von unserem Schicksal erfahren wollten, überfüllt“, erinnert sich beispielsweise Edda Schönherz, die heute als Autorin, Zeitzeugenreferentin für politische Bildung unter anderem in der Gedenkstätte Hohenschönhausen-Berlin und im Förderverein Gedenkstätte Hoheneck aktiv ist.
Der Auftakt der „Schlössertour 2015“ von „Freie Presse“ hatte rund 2000 Besucher in das einstige Stollberger DDR-Frauengefängnis gelockt, die sich ein Bild von den Haftbedingungen machen wollten. Die nächste Station der „Schlössertour“ führt morgen auf Gut Neumark im Vogtland. (vh)

Erschienen in FREIE PRESSE, 26.7.2014
http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/STOLLBERG/Grosses-Interesse-an-Schicksalen-artikel8918412.php


FR Schlössertour: Das Frauen-Verlies der DDR

20. Juli 2014

Hoheneck steht für ein dunkles Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. 40 Jahre lang waren hier politische Häftlinge eingesperrt. Am Sonntag lädt die „Freie Presse“ zum Rundgang durch das einstige Gefängnis ein, wo sich Zeitgeschichte und Zukunft begegnen sollen.

Stollberg. Als die Tür ins Schloss fällt, wird es stockdunkel. Einziger Orientierungspunkt ist ein winziges Guckloch, ringsum ist alles schwarz. Beklemmung macht sich breit. Dann klappert der Schlüssel. Theo Schreckenbach sperrt wieder auf und sagt: „Bis zu 21 Tage steckten die Häftlinge in der Dunkelzelle.“
Nebenan ein Raum, der nicht weniger Angst macht: eine Wasserzelle. Hier sollen die Insassen bis zu den Waden im Wasser gestanden haben. In einigen Berichten wird die Authentizität dieses Ortes angezweifelt, Schreckenbach kennt die widersprüchlichen Aussagen: „Eine Ex-Wärterin sagte mir: Das war unser Gemüsekeller.“ Eine andere wiederum habe die Beschreibung als Wasserzelle indirekt bestätigt. Schließlich eine Besucherin, die weinend in der Zelle stand. „Ihr Mann erzählte, dass seine Frau dort dreimal einen Tag eingesperrt war. Sie musste sich später operieren lassen, sie hat keine Kinder bekommen.“

Foto: Archiv der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Foto: Archiv der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Theo Schreckenbach, Jahrgang 1934, hat schon Hunderte Menschen durch die ehemalige Haftanstalt geführt. Er sagt: „Ich habe das für mich als Verpflichtung erkannt.“ Sein Vater war 1945 knapp sieben Wochen lang in Hoheneck inhaftiert. Damals hatten hier die sowjetischen Besatzer das Sagen. 1950 begann dann das dunkle Kapitel in der Geschichte des Hauses, das den Stollberger Rentner bis heute umtreibt. Am Sonntag öffnet die „Freie Presse“ zum Auftakt ihrer diesjährigen Schlössertour das ehemalige Frauengefängnis. Dann werden Schreckenbachs Kollegen vom Förderverein Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck Besucher auf Rundgängen durch das Haus begleiten.
Es waren ausschließlich Frauen, unter ihnen viele politische Gefangene, die die DDR auf Hoheneck einsperrte. Der Ort ist heute ein Synonym für Willkür und demütigende, lange Zeit auch unmenschliche Haftbedingungen. Bis 1960 bekamen die Inhaftierten Eimer, um ihre Notdurft zu verrichten, bis 1976 nur kaltes Wasser zum Waschen. Jede dritte Frau war hier wegen politischer Delikte wie „staatsfeindliche Hetze“, „versuchte Republikflucht“ oder „illegale Kontaktaufnahme“ inhaftiert – unter ihnen auch Jutta Gallus, „die Frau vom Checkpoint Charlie“.

Seit der Freistaat Sachsen das Gefängnis im Frühjahr 2001 aufgab, ringt die Stadt Stollberg um eine neue Nutzung für das baufällige Gebäude – und um eine angemessene Bewahrung der Geschichte des Haftortes. Ein saarländischer Unternehmer, der die Immobilie kaufte, wollte einen Freizeit- und Erholungskomplex schaffen – eine Art Eventhotel, in dem sich die Gäste einschließen lassen können, um das Leben als Häftling hautnah zu spüren. Opferverbände protestierten, das Nutzungskonzept platzte. Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt spricht von medialen Missverständnissen und Übertreibungen. Aber grundsätzlich verteidigt er unorthodoxe Ideen zur Vermittlung von Zeitgeschichte: „Manchmal muss man auch provozieren, um Interesse zu wecken.“ Zu Himmelfahrt 2004 hatte der damalige Schlossbesitzer Bernhard Freiberger einen „Männertag im Frauenknast“ organisiert. „An zwei Wochenenden kamen damals 30.000 Leute. Und die haben sich sehr ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt“, sagt Schmidt.

Die Stadt Stollberg will mit der künftigen Nutzung des Hauses an die Geschichte erinnern – und eine Brücke in die Zukunft schlagen: Noch in diesem Jahr sollen die 5,4 Millionen Euro teuren Aus- und Umbauarbeiten beginnen, die der Freistaat zu 80 Prozent fördert. Hoheneck soll künftig eine Gedenkstätte für das Frauengefängnis beherbergen. Zudem wird 2016 die Wissenschaftsausstellung „Phänomenia“ aus Glauchau nach Stollberg umziehen und in Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz konzeptionell neu aufgestellt. „Für Grundschulklassen soll es außerschulischen Unterricht geben. Auch für Lehrer soll die Ausstellung attraktiv werden“, sagt OB Schmidt.

Schloss Hoheneck – so heißt der ehemalige Haftort im Volksmund. Kritiker sagen, Hoheneck sei kein Schloss. Rundgänge innerhalb einer Schlössertour sind damit auch ein politisches Statement – dass die Erinnerung an unterschiedliche Epochen in der Geschichte des Ortes unter dem Dach des einstigen Gefängnisses möglich sind.

Die Stadt will behutsam den Blick weiten: Als das damalige Schloss im 17. Jahrhundert schon einmal als Untersuchungsgefängnis genutzt wurde, entstand ein neuer Bergfried, der Uhrenturm im Hohen Eck. Von diesem leitete sich der Name des Gebäudes und der späteren Siedlung ab. Der Turm soll für Besucher begehbar gemacht werden. „Zum ersten Mal seit 150 Jahren“, sagt der Oberbürgermeister, „könnte man dann den fantastischen Ausblick in die Umgebung genießen.“

Freie Presse, erschienen am 20.07.2014


Zwangsarbeit für den Westexport

18. Juli 2014

Tausende Häftlinge wurden in der DDR zu dreckiger und zermürbender Arbeit gezwungen. Unter ihnen war auch Edda Sperling, die wegen Westkontakten in Hoheneck inhaftiert war. Sie musste Bettwäsche nähen und Metallteile drehen. „Wer das verweigerte, wurde in den Arrest gesteckt“, sagt die 60-jährige gelernte OP-Schwester. Sie lebt heute von Hartz
IV und fühlt sich alleingelassen.

In 600 Volkseigenen Betrieben wurden die Häftlinge eingesetzt. Das sagt Christian Sachse, Autor einer neuen Studie zur Zwangsarbeit in der DDR. Angenommen wird, dass bis zu 280.000 politische Insassen in die Produktion geschickt wurden, darunter viele aus Hoheneck. Dort mussten die Frauen im Dreischichtsystem arbeiten, zum Beispiel in der Strumpf- und Bettwäscheproduktion für den Westexport.

Der Westen profitierte kräftig: Viele Firmen bezogen Knastprodukte, ohne kritisch nachzufragen – obwohl es genügend Verdachtsmomente gab. Rainer Wagner, Vorsitzender der Union Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, der die Studie in Auftrag gab, sagt: „Die Firmen sollen ihre moralische Verantwortung wahrnehmen.“ Die Unternehmen rissen sich um die billigen Arbeitskräfte aus den Gefängnissen. Das wird in der rund 500 Seiten umfassenden Untersuchung deutlich. „Gefangene wurden als Arbeitskräfte extra angefordert, sie waren fest eingeplant“, sagt Wissenschaftler Sachse. Für ihre Versorgung waren nur drei Ost-Mark pro Tag eingeplant.

Die Betroffenen haben die Zwangsarbeit aber durchaus unterschiedlich erlebt. Angelika Cholewa saß ebenfalls im Frauengefängnis Hoheneck. Nach monatelanger, einsamer Untersuchungshaft habe sie wieder etwas tun können, sagt sie heute rückblickend. Die Arbeit sei wie ein Pflaster für ihre wunde Seele gewesen. (dpa)

Von der Stahleburg zur Weiberzuchtanstalt

Im Mittelalter wurde auf dem heutigen Schlossgelände eine Burg errichtet, um die Wege nach Böhmen zu sichern. Die Stahleburg, im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, gab der Stadt Stollberg ihren Namen.

Im 16. Jahrhundert sollte Hoheneck als Jagdschloss für August I. ausgebaut werden, da die Gegend als wildreich galt. Doch der Kurfürst ließ schließlich Schloss Augustusburg errichten. Die Burg in Stollberg verfiel.

Für den Bau eines Gefängnisses wurden die Burgreste 1862 abgerissen, 1864 kamen die ersten Insassen in die Königlich-Sächsische Weiberzuchtanstalt Hoheneck. Die Nationalsozialisten nutzten das Gefängnis kurzzeitig für politische „Schutzhaft“, später als Zuchthaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg saßen in Hoheneck auch Mitglieder von NS-Organisationen ein. Im Februar 1950 begann die jahrzehntelange Geschichte als DDR-Frauengefängnis.

Von 1990 bis 2001 blieb Hoheneck Sachsens einziges Frauengefängnis.

2003 verkaufte der Freistaat den Gebäudekomplex an einen saarländischen Geschäftsmann. Er wollte das Areal zu einem Freizeitkomplex machen, scheiterte aber an wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Widerstand der Opferverbände.

Seit Anfang 2014 gehört Hoheneck der Stadt Stollberg. Geplant sind Aus- und Umbau für eine Gedenkstätte und der Einzug einer Glauchauer Wissenschaftsausstellung. (oha)

Quelle: Oliver Hach, FREIE PRESSE, erschienen am 18.07.2014


Das Leben im Frauengefängnis

25. Mai 2014
Geschichte in Lehrbüchern ist lehrreich, aber lange nicht so anschaulich wie erlebte Berichte von Zeitzeugen. Nach diesem Muster traf sich die Klasse 10rb der Nelson-Mandela-Realschule plus in Dierdorf mit einer ehemaligen Inhaftierten des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck.
Das Leben im Frauengefängnis

Bis zu 1.600 Frauen waren zeitweise in dem Gefängnis in Sachsen eingesperrt. Platz war dort eigentlich nur für 600 Gefangene. Die Frauen mussten teilweise auf dem Boden schlafen. Die Verhöre wurden nachts geführt, tagsüber war es bei Strafe verboten zu schlafen.

Hoheneck war das zentrale Gefängnis der DDR für Frauen, die wegen ihrer politischen Meinung auf der roten Liste des diktatorischen Regimes standen. In den Zellen wurden diese Frauen ganz bewusst mit Gewaltverbrecherinnen und Mörderinnen zusammen untergebracht. 2001 wurde das Gefängnis Hoheneck geschlossen. Ein Geschäftsmann wollte einen Freizeit- und Erholungspark daraus machen. Das scheiterte an wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Widerstand der Opferverbände. Seitdem steht das Gefängnis leer, kann aber auf Anfrage besichtigt werden.

Elke Schlegel kam 1958 in Jena zur Welt. Mit etwas über 20 Jahren wollte sie – zusammen mit ihrem Freund – aus der DDR ausreisen und in der Bundesrepublik leben. Sie stellte immer wieder Ausreiseanträge, die abgelehnt wurden. Dann demonstrierte die sie mit Gegnern des DDR-Regimes gegen das Ausreiseverbot. Im März 1983 wurde sie verhaftet, obwohl man ihr wenige Tage zuvor versprochen hatte, dass sie jetzt ausreisen dürfe.

Als sie verhaftet wurde, hatte die junge Frau bereits einen zwei Jahre alten Sohn. Der wurde in der Haftzeit von Elkes Mutter versorgt. Wegen „ungesetzlicher Verbindungsaufnahme“ wurde Elke Schlegel zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis in Hoheneck verurteilt. Im Gefängnis wurde sie untergewichtig. 1984 wurde die 26-Jährige von der Bundesrepublik freigekauft und durfte ausreisen. Ihr vier Jahre alter Sohn durfte ihr ein Jahr später nachfolgen. Sie hatte ihn zwei Jahre lang nicht mehr gesehen.

Im April kam Elke Schlegel auf Einladung von Lehrerin Andrea Ruhl nach Dierdorf. In der 10rb berichtete sie vom Leid der Frauen im Gefängnis Hoheneck. Ihr wurden viele Fragen gestellt: „Hatten Sie Freunde im Gefängnis?“, „Wie übersteht man diese schwere Zeit?“, „Konnten Sie telefonieren?“, „Gibt es heute noch Probleme wegen Ihres Aufenthalts in Hoheneck?“, „Was haben Sie nach Ihrer Entlassung getan?“. Elke Schlegel beantwortete alle Fragen ausführlich. So wurde es für die Jugendlichen der 10rb eine der interessantesten Geschichtsstunden ihrer Schullaufbahn.

Während ihrer Schulabschlussfahrt nach Berlin kurze Zeit später konnte sich die Klasse einen persönlichen Eindruck verschaffen, wie es in einem DDR-Gefängnis aussah. Die Schülerinnen und Schüler machten einen Ausflug zur Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR. Der Besuch hinterließ ein beklemmendes Gefühl bei den Jugendlichen.

Quelle: NR Kurier, 25.5.2014


Frauen erzählen in Koblenz vom Grauen im DDR-Knast

24. März 2014

Koblenz – Elke Schlegel saß mehrere Monate im DDR-Knast Hoheneck. Sie hatte nichts verbrochen, sie wollte nur raus aus der DDR. Jetzt, drei Jahrzehnte später, eröffnete die Koblenzerin im Mittelrhein-Museum die Ausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Porträts ehemaliger politischer Gefangener“.

1125704Elke Schlegel saß mehrere Monate im DDR-Knast Hoheneck, hinter Gittern, Stacheldraht und Elektrozäunen. Sie hat nichts verbrochen, sie wollte nur raus aus der DDR – rüber in den kapitalistischen Westen. Jetzt, drei Jahrzehnte später, eröffnete die Koblenzerin (55) im Mittelrhein-Museum auf dem Zentralplatz die Wanderausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Porträts ehemaliger politischer Gefangener“.

Hoheneck war das größte Frauenzuchthaus in der DDR, es befand sich in einer Burg hoch über der sächsischen Kleinstadt Stollberg. Es war ein Monster mit hohen Mauern, heißt es im Begleitbuch zur Ausstellung „Der dunkle Ort“ von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl. Ein Monster, aus dem niemandem die Flucht gelang. Ein Monster, in dem die Häftlinge gefoltert und gedemütigt wurden. „Diskriminierend waren vor allem die Zellenrazzien und körperlichen Untersuchungen, bei denen sich die Gefangenen nackt ausziehen mussten und begrapscht wurden. Die Strafen in Hoheneck waren drakonisch: Arrest in der Dunkelzelle mit Wasser und Brot gab es schon für geringste Vergehen.“

Zur Eröffnung der Ausstellung kamen gut 100 Interessierte. Elke Schlegel erzählte ihnen in bewegenden Worten vom DDR-Knast: „Wir Gefangenen waren zusammengepfercht wie Tiere. Die Zellen waren mit bis zu 40 Frauen belegt. Wir teilten sie mit ehemaligen KZ-Aufseherinnen und Kriminellen.“ Elke Schlegel wuchs in der DDR auf, arbeitete in Jena als Hotelfachfrau. Sie, ihr Freund und ihr Sohn beantragten 1983 die Ausreise aus der DDR. 1984 wurden sie und ihr Freund von der Stasi verhaftet, später als Staatsfeinde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Man warf Elke Schlegel vor, dass sie mit einem Freund in Neuwied telefoniert hatte – und über ihren Ausreiseantrag sprach.

Zu den Gästen der Ausstellungseröffnung gehörte auch der Koblenzer Oberbürgermeister. Joachim Hofmann-Göttig (62), der in Leipzig geboren wurde, kritisierte, dass die DDR das Gefängnis Hoheneck wie zuv1125703or das Dritte Reich zur Inhaftierung von Oppositionellen nutzte. „Mit welcher Schamlosigkeit das DDR-Regime dort eine Politik fortsetzte, die unter Adolf Hitler begonnen hatte, ist mir völlig unverständlich.“

Nach fünf Monaten und 24 Tagen Haft wog Elke Schlegel nur noch 38 Kilogramm. Dann kaufte der Westen sie frei.  Sie durfte ausreisen, ihr Freund und ihr Sohn kamen nach. Schlegel will mit der Ausstellung die Menschen sensibilisieren – für den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie.

Quelle: Rhein Zeitung, Hartmut Wagner, 20.03.2014


Ausstellung über das Frauengefängnis Hoheneck

7. März 2014

KOBLENZ – Vom 19. März bis 21. April 2014 findet eine weitere Ausstellung der Serie „Der dunkle Ort – 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“statt.  Das gleichnamige Buch von Maggie Riepl und Dirk von Nayhauss  erschien 2013 im be.bra Verlag. Die Ausstellung der Heinrich Böll Stiftung, die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützt wird, war schon in mehreren deutschen Städten zu sehen. Nächste Station ist nun Koblenz. Organisiert wurde die Ausstellung übrigens von unserer Kameradin Elke Schlegel.

Zur Eröffnung am 19. März 2014 um 19 Uhr laden wir herzlich ins Mittelrhein Museum (Forum Confluentes) in Koblenz ein.

hoheneckfrauenqnwd8hotvf


Wie es damals wirklich war

7. Februar 2014

Ehemalige politische Gefangene in der DDR berichten Ketteler-Schülern von ihren Erfahrungen

DDR Zeitzeugen berichtenMAINZ – Geschichtsunterricht mal aus einer anderen Perspektive: Das erlebte die Jahrgangsstufe 13 des Ketteler-Kollegs und Abendgymnasiums, als mit Manuela Polaszczyk und Elke Schlegel zwei ehemalige Stasi-Gefangene von den Erlebnissen und Erfahrungen in der SED-Diktatur berichteten.

„Wir nehmen zurzeit die DDR im Unterricht durch“, erklärt die Lehrerin des Geschichtsleistungskurses, Chrissi Tassiopoulou. „Meine Schüler fragen mich immer: Wie war das denn damals ganz genau? Als Geschichtslehrer kann man viel sagen, aber wie es da wirklich war, können nur Zeitzeugen berichten.“

Geschichtslehrer Thomas Meysing stimmt zu: Nach dem Fall der Mauer sei das alles für viele nur Geschichte. Mithilfe des Koordinierenden Zeitzeugenbüros in Berlin konnte die Veranstaltung stattfinden.

„Meine Eltern sind kurz vor dem Mauerbau aus Baden-Württemberg in die DDR gezogen“, beginnt Manuela Polaszczyk ihre Geschichte. „Als mein Vater wieder zurück in den Westen wollte und dafür ins Gefängnis kam, wurde auch eine Stasi-Akte über mich angelegt. Ich durfte nirgendwohin reisen – weder nach Ost-Berlin noch nach Tschechien oder Polen. Da habe ich einen Ausreiseantrag gestellt und wurde prompt ,zwecks Klärung eines Sachverhaltes’ von der Stasi abgeholt.“ Die damals 20-Jährige beschloss, einen Fluchtversuch zu wagen, wurde jedoch von der Stasi erwischt und zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, die sie im Frauenzuchthaus Hoheneck absitzen musste.

Ins Gefängnis gebracht

Auch Elke Schlegel wurde in dieses Gefängnis gebracht, 1983, nachdem sie mit Freund und Sohn Ausreiseanträge gestellt hatte. „Bevor wir abgeführt wurden, musste ich meinen Sohn noch zu meiner Mutter bringen. Ich sagte zu ihr: Pass auf mein Kind auf. Ich denke, wir sehen uns nie wieder“, erinnert sich Elke Schlegel. Unter unmenschlichen Bedingungen hätten die Gefangenen zehn bis zwölf Stunden arbeiten müssen.

Elke Schlegel wurde wegen Mangelernährung nach sechs Monaten vorzeitig aus der Haft entlassen, in die Bundesrepublik abgeschoben und ausgebürgert, ebenso wie Manuela Polaszczyk, die im Zuge des Häftlingsfreikaufs freikam. „Für Manuela war es der schönste Tag ihres Lebens, im Westen anzukommen – für mich war es der schlimmste“, sagte Schlegel – sie fürchtete, ihre Familie und vor allem ihren Sohn niemals wiederzusehen, was jedoch einige Monate später gelang.

„Durch die Zeitzeugen erfahren die Schüler, wie es damals wirklich war, weil heutzutage viel verklärt wird“, sagte der stellvertretender Direktor Rüdiger May.

Anna Speitel, Allgemeine Zeitung, 15.01.2014


Gedenkstätte: Weitere Sanierung von Schloss Hoheneck

10. Januar 2014

Der Weg für die Gedenkstätte im ehemaligen Frauengefängnis im sächsischen Stollberg ist frei. Innenminister Markus Ulbig (CDU) übergab am Dienstag einen Fördermittelbescheid über 625.000 Euro. Wie das Ministerium in Dresden mitteilte, ist das Geld für die Sanierung des Westflügels des früheren Schlosses Hoheneck bei Chemnitz bestimmt. Dort soll die Gedenkstätte entstehen. Die Förderung begründete Ulbig damit, dass Städte eine „lebendige Geschichte zeigen“ müssten. Auch das sei Heimat.

Gedenkstätte für Opfer von DDR-Unrecht

Schloss Hoheneck wurde von 1886 bis 2001 als Frauengefängnis genutzt und steht seitdem leer. Nach der Sanierung ist eine Nutzung als Gedenkstätte und als Museum für die interaktive Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ vorgesehen. In den ersten beiden Bauabschnitten konnten bereits der Nordflügel saniert und der Südflügel gesichert werden. Die neuen Fördermittel sind nun für die Sanierung des Westflügels des Schlosses bestimmt, in dem die Gedenkstätte Hoheneck ihren Platz haben soll.

Katastrophale Haftbedingungen

Das Stollberger Schloss war das größte Frauengefängnis der DDR und für seine katastrophalen Haftbedingungen bekannt. Der Name Hoheneck wurde zum Synonym für die aus politischen Gründen inhaftierten Frauen in der DDR. Genaue Zahlen der Inhaftierten sind nicht bekannt. Schätzungen gehen von mehreren Tausend aus. Es gab Zellen für Isolations- sowie Dunkelhaft. Das Gebäude steht auf den Grundmauern eines Jagdschlosses aus dem 16. Jahrhundert, das wiederum auf den Ruinen einer mittelalterlichen Grenzfeste errichtet wurde. Die wahrscheinlich um 1200 erbaute sogenannte Staleburg gab dem Ort Stollberg den Namen.

10. Januar 2014, Quelle: MDR


Besonderer Fokus auf Frauenhaftanstalt

8. Dezember 2013

 

Schloss Hoheneck ist jetzt einer von bisher sechs „Politischen Orten“ in Sachsen. Schlussendlich möchte die Landeszentrale für politische Bildung zwanzig Örtlichkeiten auszeichnen.Stollberg. Schloss Hoheneck nimmt im Stollberger Stadtbild eine exponierte Position ein. Der Förderverein „Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck“ und die Stadt leiten einiges in die Wege, damit dies auch im allgemeinen Bewusstsein so ist. Rückenwind gibt es jetzt von der Landeszentrale für politische Bildung, die Hoheneck nun als „Politischen Ort“ ausgezeichnet hat. „Politische Orte sind Orte, an denen sich Geschichte ereignet hat; aber auch solche, wo Menschen zu Opfern oder Tätern geworden sind“, erläutert Henry Krause von der Landeszentrale für politische Bildung.“

Oberbürgermeister Marcel Schmidt betont gestern bei der Verleihung, dass der Staat gerade in Hoheneck versucht habe, diesen Ort möglichst unpolitisch zu halten. „Die inhaftierten Frauen haben trotzdem ihre Gesinnung behalten“, stellt Schmidt klar. Eine der ehemals Inhaftierten ist Rosel Werl, die gestern mahnt: „Hier wird an politische Gefangenschaft in zwei Gewaltherrschaften erinnert.“ Werl motiviert speziell die Jugend, diese Erinnerung nicht sterben zu lassen. Das Thema Frauenhaftanstalt ist in Teilen der Jugend durchaus präsent. So stellten gestern Jugendliche insgesamt drei Projekte vor, die sich mit der Geschichte Hohenecks beschäftigen.

Landrat Frank Vogel spricht zwar nicht direkt die Jugendlichen an, dürfte sich aber über deren Engagement trotzdem freuen. Denn seine Forderung ist eindeutig: „Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb müssen wir jetzt die Chance nutzen, Hoheneck als Gedenkstätte zu etablieren.“ Es sei wichtig, das dieser Ort auch zukünftig zugänglich sei. Genau das ist die Absicht von Förderverein und Stadt.

Die Landeszentrale hat bei ihren Bemühungen gerade auch kleinere Städte abseits der Zentren im Blick. Die Entscheidung für Hoheneck ist den Verantwortlichen der Landeszentrale dabei nicht sonderlich schwer gefallen. „Schließlich ist dies nicht irgendeine Liegenschaft, nicht irgendein Gefängnis“, betont Krause, der sich allerdings über die Resonanz aus dem Erzgebirgskreis etwas enttäuscht zeigte. Insgesamt waren nur vier Bewerbungen bei der Landeszentrale eingegangen.

„Unser Ziel ist es, pro Landkreis jeweils zwei Orte auszuzeichnen“, sagt Krause. Neben Hoheneck ist das im Erzgebirgskreis die Magister-Georg-Körner-Gesellschaft in Bockau als deutsch-tschechisches Begegnungszentrum. Mit der Auszeichnung möchte die Landeszentrale vor allem auch die ehrenamtliche Arbeit vor Ort stützen. „Wir bieten unsere Zusammenarbeit bei gemeinsamen Veranstaltungen an“, sagt Krause. Ganz nebenbei gibt es auch 2000 Euro. „Das Geld haben wir eingeplant, um für die künftige Gedenkstätte eine Video- und Audioanlage anzuschaffen“, sagt Vereinsvorsitzender Dietrich Hamann.

Freie Presse, erschienen am 28.11.2013 ( Von Björn Josten )

Von der Stasi gedemütigt und eingesperrt: Ehemalige Moderatorin des DDR-Fernsehens, Edda Schönherz

3. Dezember 2013

Ochtendung – „Sie sind wieder obenauf!“ – Gemeint sind die Stasi-Leute, die Edda Schönherz und ihre Leidensgenossinnen im DDR-Frauengefängnis demütigten und terrorisierten, weil sie, wie sie sagt, von Deutschland nach Deutschland wollte.

Die ehemalige Ansagerin und Moderatorin des DDR-Fernsehens sprach im Ochtendunger Hotel Arosa auf Einladung von Daniel Schnack, dem Vorsitzender der Jungen Union Maifeld. Ihre Schilderung der Verhöre in Berlin-Hohenschönhausen und der Verhältnisse im berüchtigten Stasi-Frauengefängnis von Hoheneck schockierte die Zuhörer.

„Ich will die Aufarbeitung unserer Geschichte, nicht eine Hatz auf Stasi-Leute“, versicherte die 69-Jährige. Sie beklagte: „Die Männer, die mir im Zuchthaus gegenüber saßen, haben kein Rückgrat.“ Heute führten sie mittelständische Unternehmen, seien Vorstandvorsitzende, besäßen Hotels. Edda Schönherz mahnte: „Stasi-Leute in der Regierung sind ein Schlag ins Gesicht des ganzen deutschen Volkes.“

Sie hat ihre persönliche Geschichte in einem Buch festgehalten. Was war der Anlass für ihre Inhaftierung? Schönherz erkundigte sich während eines Urlaubs mit ihren Kindern in Budapest bei den Botschaften der Bundesrepublik und den USA nach Möglichkeiten, um die DDR zu verlassen. Weil die Botschaften von der Stasi observiert wurden, hat man sie später festgenommen und zur Untersuchungshaft nach Hohenschönhausen gebracht. Dort wurde mit psychischem Druck gearbeitet. Stets beobachtet durch eine Klappe, wurde sie am Schlafen gehindert und von einem Mann bei einer körperlichen Untersuchung gedemütigt. Eine strafbare Handlung konnte man ihr nicht nachweisen. Dennoch wurde sie „wegen staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ und „Vorbereitung eines ungesetzlichen Grenzübertritts“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie landete im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck.

Die Täter, so die Autorin, beziehen heute hohe Pensionen, ihre Bezüge seien den Offizieren der Bundeswehr angeglichen. „Und die Leute, die als Häftlinge fertig gemacht wurden, bekommen eine Armutsrente.“

Ob sie jetzt noch immer bedrängt werde, will ein Zuhörer wissen. Schönherz: „Nein, bisher habe ich davon noch nichts gemerkt.“ Die Autorin erinnert an die Organisation der Stasi: „Sie umfasste 92 000 feste Mitarbeiter und 460 000 inoffizielle Mitarbeiter bei einer Bevölkerung von 16 Millionen Menschen.“ Bis 1977 blieb die Autorin in Staatsgewahrsam. Zwei Jahre später konnte sie mit ihren Kindern ausreisen. 20 Jahre arbeitete sie als Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk. Heute ist sie als Zeitzeugenreferentin für politische Bildung tätig und führt Besucher in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Quelle: Rhein Zeitung, Heinz Israel, 3.12.2013


Chemnitzer Schüler gewinnen Geschichtspreis des Bundespräsidenten

13. November 2013

Wie lebt es sich in Nachbarschaft eines Symbols des Unrechts im DDR-Regime? Dieser Frage gingen Chemnitzer Gymnasiasten im Fall des früheren Frauengefängnisses Hoheneck nach. Vom Bundespräsidenten werden sie dafür jetzt ausgezeichnet.

Berlin/Dresden. Mit ihrer Arbeit über das DDR-Frauengefängnis Hoheneck haben drei Schüler aus Chemnitz einen ersten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen. Wie das sächsische Kultusministerium in Dresden mitteilte, werden die drei jungen Männer aus dem 11. Jahrgang des Gymnasiums Einsiedel für ihre Untersuchungen zu den Nachbarschaftsbeziehungen der früheren Strafanstalt in Stollberg im Erzgebirge ausgezeichnet.

Gesamter Artikel hier: Sächsische Zeitung, 13. November 2013


Torturen, die das ganze Leben prägen

11. November 2013

Ihr neues Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ hat Ellen Thiemann kürzlich in der Kreisvolkshochschule Hildburghausen vorgestellt. Lebendig und nachvollziehbar berichtete die Journalistin von den Torturen, die viele Frauen im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck versehrt haben.

Quelle: FW, 11. 11.2013. Ganzer Artikel hier


Stollberger Jugendliche zeigen Hoheneck-Projekt im Landtag

11. November 2013

Der Selbsthilfe-Jugendtreff Pink Panther beteiligt sich in diesem Jahr erstmals am Jugendprogramm „Zeitensprünge“. Entstanden ist unter anderem ein Kurzfilm.

Stollberg. Sechs Jugendliche im Alter zwischen zehn und 13 Jahren haben sich seit April mit der Historie Hohenecks beschäftigt. Seither sind Fotos, Objekte, ein Flyer mit Fakten zum Gefängnis und ein Film entstanden. Der Start des Projektes verlief eher zäh. Als Projektleiterin Anja Friedrich interessierte Jugendliche für die Geschichtsaufarbeitung suchte, war die Resonanz verhalten. Sechs Schüler ließen sich begeistern. Sie erlebten im vergangenen halben Jahr, wie das vermeintlich trockene Thema zunehmend an Dynamik gewann.

Quelle: Freie Presse, 14.11.2013