War die DDR ein Unrechtsstaat?

22. Juni 2009

megaphonDiese Frage ist momentan Gegenstand des öffentlichen Diskurses. Doch was man da mitunter zu hören bekommt hat mich wirklich entsetzt. Natürlich war die DDR eindeutig ein Unrechtsstaat und eine Diktatur – es gibt genügend Beweise und Zeitzeugen, die dies belegen können! Wer etwas anderes behauptet, ist entweder blind oder gehört zu den Ewiggestrigen, die bewusst beschönigen und Ablenkungsmanöver inszenieren. Genau diese ehemaligen Lakaien der Diktatur sind nun wieder aktiv und versuchen uns einzureden, dass es „so schlimm ja nicht war“.

Wenn ich mir die jüngere Generation anschaue, bin ich auch immer wieder erschrocken, wie wenig sie eigentlich über die DDR-Diktatur weiß. Hier gibt es großen Aufklärungsbedarf. Gemäß einer Studie unter Gymnasiasten in Ost und West antworteten diese 2008 mehrheitlich: „Die DDR war keine Diktatur“, „Die Stasi war ein Geheimdienst, wie ihn jeder andere Staat auch hat“, „Die Mauer wurde von den Alliierten bzw. der Bundesrepublik gebaut“, „Adenauer und Brandt waren DDR-Politiker“ oder „Unter Erich Honecker gab es demokratische Wahlen“.  Wenn ich so etwas höre, stehen mir die Haare zu Berge. Was wird in unseren Schulen unterrichtet, frage ich mich, wenn Schüler noch nicht einmal die Basics wissen? Gleichzeitig schwelgen viele der Älteren in Ostalgie – kein Wunder, dass es die Jugend nicht besser weiß! Woher sollen sie wissen, weshalb die Menschen 1989 auf die Strasse gingen, wenn es ihnen gar nicht oder durch ein falsches Bild vermittelt wird? Anhand der haarsträubenden Ergebnisse der Studie ist auch offensichtlich – und das sagten die Schüler selbst – dass das Thema DDR-Geschichte im Unterricht generell zu wenig oder überhaupt nicht vorkommt.

Ein differenziertes Geschichtsbild ist deshalb dringend notwendig. Die Vergangenheit muss nicht nur zu Feiertagen ins politische Bewusstsein zurückgeholt werden. Hier sind die Medien und vor allem auch die Politik gefragt. Es ist mir absolut unverständlich, weshalb diverse Politiker sich weigern, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Weshalb nennt niemand die Dinge beim Namen? Eine Diktatur, in der die Herrschenden die eigene Bevölkerung einmauerte, in der Zwang, Einschüchterung und Unterdrückung herrschten, in der Grundrechte mit Füßen getreten wurden, in der es Todesstreifen und einen Schiessbefehl gab, in der Wahlbetrug betrieben wurde… Was soll das sein, wenn nicht ein Unrechtsstaat? Und das waren doch die wahren Gründe, weshalb mehr als 4 Millionen DDR-Bürger den Staat in Richtung Westen verließen und nicht, weil man keine Spreewaldgurken oder Bananen kaufen konnte oder weil man 14 Jahre auf ein Auto warten musste.

Ich hoffe jedenfalls, dass es 20 Jahre nach dem Ende der DDR-Diktatur gelingt, uns kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Meiner Meinung nach sind wir dazu verpflichtet. Der Philosoph George Santayana hat sicher recht, als er sagte „Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“.

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