Besonderer Fokus auf Frauenhaftanstalt

 

Schloss Hoheneck ist jetzt einer von bisher sechs „Politischen Orten“ in Sachsen. Schlussendlich möchte die Landeszentrale für politische Bildung zwanzig Örtlichkeiten auszeichnen.Stollberg. Schloss Hoheneck nimmt im Stollberger Stadtbild eine exponierte Position ein. Der Förderverein „Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck“ und die Stadt leiten einiges in die Wege, damit dies auch im allgemeinen Bewusstsein so ist. Rückenwind gibt es jetzt von der Landeszentrale für politische Bildung, die Hoheneck nun als „Politischen Ort“ ausgezeichnet hat. „Politische Orte sind Orte, an denen sich Geschichte ereignet hat; aber auch solche, wo Menschen zu Opfern oder Tätern geworden sind“, erläutert Henry Krause von der Landeszentrale für politische Bildung.“

Oberbürgermeister Marcel Schmidt betont gestern bei der Verleihung, dass der Staat gerade in Hoheneck versucht habe, diesen Ort möglichst unpolitisch zu halten. „Die inhaftierten Frauen haben trotzdem ihre Gesinnung behalten“, stellt Schmidt klar. Eine der ehemals Inhaftierten ist Rosel Werl, die gestern mahnt: „Hier wird an politische Gefangenschaft in zwei Gewaltherrschaften erinnert.“ Werl motiviert speziell die Jugend, diese Erinnerung nicht sterben zu lassen. Das Thema Frauenhaftanstalt ist in Teilen der Jugend durchaus präsent. So stellten gestern Jugendliche insgesamt drei Projekte vor, die sich mit der Geschichte Hohenecks beschäftigen.

Landrat Frank Vogel spricht zwar nicht direkt die Jugendlichen an, dürfte sich aber über deren Engagement trotzdem freuen. Denn seine Forderung ist eindeutig: „Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb müssen wir jetzt die Chance nutzen, Hoheneck als Gedenkstätte zu etablieren.“ Es sei wichtig, das dieser Ort auch zukünftig zugänglich sei. Genau das ist die Absicht von Förderverein und Stadt.

Die Landeszentrale hat bei ihren Bemühungen gerade auch kleinere Städte abseits der Zentren im Blick. Die Entscheidung für Hoheneck ist den Verantwortlichen der Landeszentrale dabei nicht sonderlich schwer gefallen. „Schließlich ist dies nicht irgendeine Liegenschaft, nicht irgendein Gefängnis“, betont Krause, der sich allerdings über die Resonanz aus dem Erzgebirgskreis etwas enttäuscht zeigte. Insgesamt waren nur vier Bewerbungen bei der Landeszentrale eingegangen.

„Unser Ziel ist es, pro Landkreis jeweils zwei Orte auszuzeichnen“, sagt Krause. Neben Hoheneck ist das im Erzgebirgskreis die Magister-Georg-Körner-Gesellschaft in Bockau als deutsch-tschechisches Begegnungszentrum. Mit der Auszeichnung möchte die Landeszentrale vor allem auch die ehrenamtliche Arbeit vor Ort stützen. „Wir bieten unsere Zusammenarbeit bei gemeinsamen Veranstaltungen an“, sagt Krause. Ganz nebenbei gibt es auch 2000 Euro. „Das Geld haben wir eingeplant, um für die künftige Gedenkstätte eine Video- und Audioanlage anzuschaffen“, sagt Vereinsvorsitzender Dietrich Hamann.

Freie Presse, erschienen am 28.11.2013 ( Von Björn Josten )
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