Zwangsarbeit politischer Gefangener in der DDR

4. Mai 2012

Hier ein interessanter Film aus dem RBB-Archiv (2002) zum Thema Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen:

Gefordert – Entschädigung für DDR-Zwangsarbeiter

 


Entschädigung für Zwangsarbeit

3. Mai 2012

Auch Quelle profitierte von Zwangsarbeit politischer Häftlinge

POTSDAM – Ikea war nicht das einzige westliche Unternehmen, das die DDR als verlängerte Werkbank nutzte und dabei von der Zwangsarbeit politischer Gefangener profitierte. Es habe eine ganze Reihe von Firmen aus der Bundesrepublik und dem Ausland gegeben, mit denen Produktionsverträge abgeschlossen waren, sagte gestern die Sprecherin der Stasiunterlagen-Behörde, Dagmar Hovestädt. Die Stasi sei jeweils im Bilde gewesen, weil es um Devisen ging. Schuhe für Salamander kamen aus Erfurt, Schiesser-Unterwäsche aus Sachsen. Billige Kameras, Küchengeräte und Kinderwagen waren Made in GDR.

Auch politische Häftlinge schufteten für den Profit. Gefangene des Stasi-Sondergefängnisses Bautzen II mussten Frottee-Handtücher für den Versandhauskonzern Quelle nähen, sagte die Sprecherin der Gedenkstätte Bautzen, Susanne Hattig, gestern der MAZ. Bereits 1990 wiesen Reporter des WDR nach, dass Insassen des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck Esda-Strumpfhosen für den Westexport verpacken und für Quelle im VEB Planet Bettwäsche nähen mussten. Karin Funke, in den 1970er Jahren wegen versuchter Republikflucht eingesperrt, fand nach ihrem Freikauf die von ihr genähten Bezüge bei Quelle in Berlin. Brigitte Bielke, ebenfalls Ex-Häftling in Hoheneck, hatte den Versandhändler 1989 darauf aufmerksam gemacht, dass seine Katalogware unter Androhung von Einzelarrest gefertigt war. Quelle habe die Mitwisserschaft abgestritten. Tatsächlich war der Konzern nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte lange informiert. Sie verweist auf einen Brief vom Oktober 1982, mit dem Quelle zusicherte, in künftigen Verträgen Zwangsproduktion durch Häftlinge auszuschließen.

In seiner Reportage zur Zwangsarbeit für Ikea ließ der schwedische Rundfunk SVT gestern Wolfgang Welsch zu Wort kommen. Der hatte bis 1971 unter anderem im Zuchthaus Brandenburg gesessen, weil er bei der Defa einen SED-kritischen Film drehen wollte. Er berichtet von der Möbelfertigung: „Wir wussten nur, dass ein Teil davon nach Schweden verschifft wird.“ Manchmal seien Dokumente in Schwedisch aufgetaucht. Er habe drei Schichten nacheinander arbeiten müssen, ständig habe es an Essen gefehlt, sagt Welsch.

Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, sagte der MAZ gestern, er fordere die Bundesregierung auf, eine Kommission aus Experten und Opfern einzusetzen, um Vorschläge für Entschädigungen zu machen.

Quelle: Volkmar Klein, Märkische Allgemeine, 3.5.2012