Zwangsarbeit für den Westexport

18. Juli 2014

Tausende Häftlinge wurden in der DDR zu dreckiger und zermürbender Arbeit gezwungen. Unter ihnen war auch Edda Sperling, die wegen Westkontakten in Hoheneck inhaftiert war. Sie musste Bettwäsche nähen und Metallteile drehen. „Wer das verweigerte, wurde in den Arrest gesteckt“, sagt die 60-jährige gelernte OP-Schwester. Sie lebt heute von Hartz
IV und fühlt sich alleingelassen.

In 600 Volkseigenen Betrieben wurden die Häftlinge eingesetzt. Das sagt Christian Sachse, Autor einer neuen Studie zur Zwangsarbeit in der DDR. Angenommen wird, dass bis zu 280.000 politische Insassen in die Produktion geschickt wurden, darunter viele aus Hoheneck. Dort mussten die Frauen im Dreischichtsystem arbeiten, zum Beispiel in der Strumpf- und Bettwäscheproduktion für den Westexport.

Der Westen profitierte kräftig: Viele Firmen bezogen Knastprodukte, ohne kritisch nachzufragen – obwohl es genügend Verdachtsmomente gab. Rainer Wagner, Vorsitzender der Union Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, der die Studie in Auftrag gab, sagt: „Die Firmen sollen ihre moralische Verantwortung wahrnehmen.“ Die Unternehmen rissen sich um die billigen Arbeitskräfte aus den Gefängnissen. Das wird in der rund 500 Seiten umfassenden Untersuchung deutlich. „Gefangene wurden als Arbeitskräfte extra angefordert, sie waren fest eingeplant“, sagt Wissenschaftler Sachse. Für ihre Versorgung waren nur drei Ost-Mark pro Tag eingeplant.

Die Betroffenen haben die Zwangsarbeit aber durchaus unterschiedlich erlebt. Angelika Cholewa saß ebenfalls im Frauengefängnis Hoheneck. Nach monatelanger, einsamer Untersuchungshaft habe sie wieder etwas tun können, sagt sie heute rückblickend. Die Arbeit sei wie ein Pflaster für ihre wunde Seele gewesen. (dpa)

Von der Stahleburg zur Weiberzuchtanstalt

Im Mittelalter wurde auf dem heutigen Schlossgelände eine Burg errichtet, um die Wege nach Böhmen zu sichern. Die Stahleburg, im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, gab der Stadt Stollberg ihren Namen.

Im 16. Jahrhundert sollte Hoheneck als Jagdschloss für August I. ausgebaut werden, da die Gegend als wildreich galt. Doch der Kurfürst ließ schließlich Schloss Augustusburg errichten. Die Burg in Stollberg verfiel.

Für den Bau eines Gefängnisses wurden die Burgreste 1862 abgerissen, 1864 kamen die ersten Insassen in die Königlich-Sächsische Weiberzuchtanstalt Hoheneck. Die Nationalsozialisten nutzten das Gefängnis kurzzeitig für politische „Schutzhaft“, später als Zuchthaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg saßen in Hoheneck auch Mitglieder von NS-Organisationen ein. Im Februar 1950 begann die jahrzehntelange Geschichte als DDR-Frauengefängnis.

Von 1990 bis 2001 blieb Hoheneck Sachsens einziges Frauengefängnis.

2003 verkaufte der Freistaat den Gebäudekomplex an einen saarländischen Geschäftsmann. Er wollte das Areal zu einem Freizeitkomplex machen, scheiterte aber an wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Widerstand der Opferverbände.

Seit Anfang 2014 gehört Hoheneck der Stadt Stollberg. Geplant sind Aus- und Umbau für eine Gedenkstätte und der Einzug einer Glauchauer Wissenschaftsausstellung. (oha)

Quelle: Oliver Hach, FREIE PRESSE, erschienen am 18.07.2014

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Frauen erzählen in Koblenz vom Grauen im DDR-Knast

24. März 2014

Koblenz – Elke Schlegel saß mehrere Monate im DDR-Knast Hoheneck. Sie hatte nichts verbrochen, sie wollte nur raus aus der DDR. Jetzt, drei Jahrzehnte später, eröffnete die Koblenzerin im Mittelrhein-Museum die Ausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Porträts ehemaliger politischer Gefangener“.

1125704Elke Schlegel saß mehrere Monate im DDR-Knast Hoheneck, hinter Gittern, Stacheldraht und Elektrozäunen. Sie hat nichts verbrochen, sie wollte nur raus aus der DDR – rüber in den kapitalistischen Westen. Jetzt, drei Jahrzehnte später, eröffnete die Koblenzerin (55) im Mittelrhein-Museum auf dem Zentralplatz die Wanderausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Porträts ehemaliger politischer Gefangener“.

Hoheneck war das größte Frauenzuchthaus in der DDR, es befand sich in einer Burg hoch über der sächsischen Kleinstadt Stollberg. Es war ein Monster mit hohen Mauern, heißt es im Begleitbuch zur Ausstellung „Der dunkle Ort“ von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl. Ein Monster, aus dem niemandem die Flucht gelang. Ein Monster, in dem die Häftlinge gefoltert und gedemütigt wurden. „Diskriminierend waren vor allem die Zellenrazzien und körperlichen Untersuchungen, bei denen sich die Gefangenen nackt ausziehen mussten und begrapscht wurden. Die Strafen in Hoheneck waren drakonisch: Arrest in der Dunkelzelle mit Wasser und Brot gab es schon für geringste Vergehen.“

Zur Eröffnung der Ausstellung kamen gut 100 Interessierte. Elke Schlegel erzählte ihnen in bewegenden Worten vom DDR-Knast: „Wir Gefangenen waren zusammengepfercht wie Tiere. Die Zellen waren mit bis zu 40 Frauen belegt. Wir teilten sie mit ehemaligen KZ-Aufseherinnen und Kriminellen.“ Elke Schlegel wuchs in der DDR auf, arbeitete in Jena als Hotelfachfrau. Sie, ihr Freund und ihr Sohn beantragten 1983 die Ausreise aus der DDR. 1984 wurden sie und ihr Freund von der Stasi verhaftet, später als Staatsfeinde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Man warf Elke Schlegel vor, dass sie mit einem Freund in Neuwied telefoniert hatte – und über ihren Ausreiseantrag sprach.

Zu den Gästen der Ausstellungseröffnung gehörte auch der Koblenzer Oberbürgermeister. Joachim Hofmann-Göttig (62), der in Leipzig geboren wurde, kritisierte, dass die DDR das Gefängnis Hoheneck wie zuv1125703or das Dritte Reich zur Inhaftierung von Oppositionellen nutzte. „Mit welcher Schamlosigkeit das DDR-Regime dort eine Politik fortsetzte, die unter Adolf Hitler begonnen hatte, ist mir völlig unverständlich.“

Nach fünf Monaten und 24 Tagen Haft wog Elke Schlegel nur noch 38 Kilogramm. Dann kaufte der Westen sie frei.  Sie durfte ausreisen, ihr Freund und ihr Sohn kamen nach. Schlegel will mit der Ausstellung die Menschen sensibilisieren – für den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie.

Quelle: Rhein Zeitung, Hartmut Wagner, 20.03.2014


Torturen, die das ganze Leben prägen

11. November 2013

Ihr neues Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ hat Ellen Thiemann kürzlich in der Kreisvolkshochschule Hildburghausen vorgestellt. Lebendig und nachvollziehbar berichtete die Journalistin von den Torturen, die viele Frauen im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck versehrt haben.

Quelle: FW, 11. 11.2013. Ganzer Artikel hier


Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Stollberg

5. September 2013

Der Süddeutsche Freundeskreis der Hoheneckerinnen zeigt sich empört über das Verhalten des Stollberger Oberbürgermeisters Marcel Schmidt und des Stadtrats bezüglich der geplanten Nutzung des ehemaligen Gefängnisses und hat in einem offenen Brief den Bürgermeister und den Stadtrat aufgerufen, Stellung zu beziehen. Ursprünglich wurde den Opfern des DDR-Unrechts zugesagt, dass auf dem ehemaligen Gelände des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck eine Gedenkstätte eingerichtet werden soll.  Dieser Beschluss wurde nun vom Oberbürgermeister und dem Stadtrat überraschend auf unbestimmte Zeit verschoben. Stattdessen soll ein Kinder-Mitmach-Museum am Ort des Unrechts entstehen.

Der genaue Wortlaut hier:  Offener Brief an den Stollberger Bürgermeister


DDR-Frauengefängnis Schloss Hoheneck wird saniert

15. August 2013

Das ehemalige Gefängnis Hoheneck in Stollberg im Erzgebirge steht für unmenschliche DDR-Frauenhaft. Künftig sollen dort Kinder in einer Erlebniswelt etwas über physikalisch-technische Vorgänge lernen.

Stollberg. Das ehemalige DDR-Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg im Erzgebirge wird saniert. Zunächst werde im Herbst für rund 800.000 Euro die Dachkonstruktion über dem Zellenflügel erneuert, sagte ein Sprecher der Verwaltung am Dienstag. Die Kosten dafür übernehme das Land. In dem Gebäudekomplex neben einer später geplanten Haft-Gedenkstätte solle zunächst die interaktive Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ untergebracht werden, sagte er und bestätigte damit Medienberichte zu der Entscheidung des Stadtrats.

Die Arbeiten dafür sollen ebenfalls im Herbst beginnen, sofern die vom Land zugesagten rund 3,7 Millionen Euro Fördermittel bis dahin fließen. Die Stadt steuere zu dem Projekt 933.000 Euro bei. Die Gestaltung des Komplexes einschließlich Gedenkstätte wird mit rund 5,7 Millionen Euro veranschlagt.

Das Gefängnis Hoheneck im Erzgebirge gilt als Synonym für eine DDR-Frauenhaft unter unmenschlichen Bedingungen. Das Gefängnis war 2001 geschlossen worden und wurde 2003 an die Artemis GmbH in Chemnitz verkauft, die daraus ein Hotel mit mehreren Restaurants machen wollte. Opferverbände waren empört, dass dort als Attraktion unter anderem auch Übernachtungen in den Haftzellen angeboten werden sollten. Daraufhin hatte der Investor von seinen Plänen wieder Abstand genommen. 2011 hatte der damalige Bundespräsident Christian Wulff das ehemalige Gefängnis besucht und angemahnt, dass an dem Ort würdiges Gedenken möglich sein müsse.

Die Stadt hatte die Anlage daraufhin erst im vergangenen Juli für 160.000 Euro von der Artmis wieder erworben. Allerdings hatte sie sich für den Fall, dass die erhofften Fördermittel bis Mai kommenden Jahres ausblieben, ein Rücktrittsrecht gesichert. (dpa)

Quelle: Sächsische Zeitung, 13.8. 2013


„Der dunkle Ort“ – Ausstellung demnächst in Pforzheim

6. August 2013

Ab dem 25. September 2013 wird die Ausstellung „Der dunkle Ort“ in Pforzheim zu sehen sein.  Die Ausstellung beleuchtet die Zustände im Frauenzuchthaus Hoheneck und zeigt anhand von 25 unterschiedlichen Lebensgeschichten exemplarisch, wie es Frauen in diesem Gefängnis ergangen ist. 25 ehemalige, aus politischen Gründen Inhaftierte haben sich dem Fotografen Dirk von Nayhauß und der Autorin Maggie Riepl anvertraut, die zum Thema auch ein Buch („Der dunkle Ort“) veröffentlicht haben.

Alle Interessenten & ehemaligen Hoheneckerinnen sind herzlich eingeladen!

Organsiert wird die Ausstellung von der Stiftung ‚Lernort Demokratie – das DDR-Museum Pforzheim‘. Frau Kipfer, die Vorstandsvorsitzende des Stiftungsbeirates hat diese Ausstellung nach Pforzheim geholt.
Weitere Informationen hier:
Flyer S. 1
Flyer S. 2

Weg für Gedenkstätte Hoheneck ist frei

24. Juli 2013

Stollberg. Der Weg für eine Gedenkstätte im ehemaligen DDR-Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg im Erzgebirge ist frei. Die Stadt habe die Anlage für 160.000 Euro von der Chemnitzer Artmis GmbH gekauft, sagte ein Sprecher der Verwaltung am Montag und bestätigte eine Mitteilung des Fördervereins Hoheneck. Allerdings gebe es für den Fall, dass die erhofften Fördermittel für das Projekt ausblieben, bis Mai kommenden Jahres eine Rücktrittsklausel. Dem Sprecher zufolge soll in dem Gebäudekomplex neben der Gedenkstätte die interaktive Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ untergebracht werden.

 

Das Gefängnis Hoheneck im Erzgebirge gilt als Synonym für DDR-Frauenhaft unter unmenschlichen Bedingungen. Viele Gefangene saßen aus politischen Gründen ein. 1974 war die Anstalt mit 1.612 Insassen belegt, die höchste je ermittelte Zahl, ein Drittel mehr als zugelassen. Das Gefängnis war 2001 geschlossen worden und wurde 2003 an die Artemis GmbH verkauft, die daraus ein Hotel mit mehreren Restaurants machen wollte. Opferverbände waren empört, dass dort als Attraktion unter anderem auch Übernachtungen in den Haftzellen angeboten werden sollten. Daraufhin hatte der Investor von seinen Plänen wieder Abstand genommen. 2011 hatte der damalige Bundespräsident Christian Wulff das ehemalige Gefängnis besucht und angemahnt, dass an dem Ort würdiges Gedenken möglich sein müsse. (dpa)

Quelle: SZ Online, 22. Juli 2013