Ausstellung über das Frauengefängnis Hoheneck

7. März 2014

KOBLENZ – Vom 19. März bis 21. April 2014 findet eine weitere Ausstellung der Serie „Der dunkle Ort – 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“statt.  Das gleichnamige Buch von Maggie Riepl und Dirk von Nayhauss  erschien 2013 im be.bra Verlag. Die Ausstellung der Heinrich Böll Stiftung, die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützt wird, war schon in mehreren deutschen Städten zu sehen. Nächste Station ist nun Koblenz. Organisiert wurde die Ausstellung übrigens von unserer Kameradin Elke Schlegel.

Zur Eröffnung am 19. März 2014 um 19 Uhr laden wir herzlich ins Mittelrhein Museum (Forum Confluentes) in Koblenz ein.

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Wie es damals wirklich war

7. Februar 2014

Ehemalige politische Gefangene in der DDR berichten Ketteler-Schülern von ihren Erfahrungen

DDR Zeitzeugen berichtenMAINZ – Geschichtsunterricht mal aus einer anderen Perspektive: Das erlebte die Jahrgangsstufe 13 des Ketteler-Kollegs und Abendgymnasiums, als mit Manuela Polaszczyk und Elke Schlegel zwei ehemalige Stasi-Gefangene von den Erlebnissen und Erfahrungen in der SED-Diktatur berichteten.

„Wir nehmen zurzeit die DDR im Unterricht durch“, erklärt die Lehrerin des Geschichtsleistungskurses, Chrissi Tassiopoulou. „Meine Schüler fragen mich immer: Wie war das denn damals ganz genau? Als Geschichtslehrer kann man viel sagen, aber wie es da wirklich war, können nur Zeitzeugen berichten.“

Geschichtslehrer Thomas Meysing stimmt zu: Nach dem Fall der Mauer sei das alles für viele nur Geschichte. Mithilfe des Koordinierenden Zeitzeugenbüros in Berlin konnte die Veranstaltung stattfinden.

„Meine Eltern sind kurz vor dem Mauerbau aus Baden-Württemberg in die DDR gezogen“, beginnt Manuela Polaszczyk ihre Geschichte. „Als mein Vater wieder zurück in den Westen wollte und dafür ins Gefängnis kam, wurde auch eine Stasi-Akte über mich angelegt. Ich durfte nirgendwohin reisen – weder nach Ost-Berlin noch nach Tschechien oder Polen. Da habe ich einen Ausreiseantrag gestellt und wurde prompt ,zwecks Klärung eines Sachverhaltes’ von der Stasi abgeholt.“ Die damals 20-Jährige beschloss, einen Fluchtversuch zu wagen, wurde jedoch von der Stasi erwischt und zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, die sie im Frauenzuchthaus Hoheneck absitzen musste.

Ins Gefängnis gebracht

Auch Elke Schlegel wurde in dieses Gefängnis gebracht, 1983, nachdem sie mit Freund und Sohn Ausreiseanträge gestellt hatte. „Bevor wir abgeführt wurden, musste ich meinen Sohn noch zu meiner Mutter bringen. Ich sagte zu ihr: Pass auf mein Kind auf. Ich denke, wir sehen uns nie wieder“, erinnert sich Elke Schlegel. Unter unmenschlichen Bedingungen hätten die Gefangenen zehn bis zwölf Stunden arbeiten müssen.

Elke Schlegel wurde wegen Mangelernährung nach sechs Monaten vorzeitig aus der Haft entlassen, in die Bundesrepublik abgeschoben und ausgebürgert, ebenso wie Manuela Polaszczyk, die im Zuge des Häftlingsfreikaufs freikam. „Für Manuela war es der schönste Tag ihres Lebens, im Westen anzukommen – für mich war es der schlimmste“, sagte Schlegel – sie fürchtete, ihre Familie und vor allem ihren Sohn niemals wiederzusehen, was jedoch einige Monate später gelang.

„Durch die Zeitzeugen erfahren die Schüler, wie es damals wirklich war, weil heutzutage viel verklärt wird“, sagte der stellvertretender Direktor Rüdiger May.

Anna Speitel, Allgemeine Zeitung, 15.01.2014


Gedenkstätte: Weitere Sanierung von Schloss Hoheneck

10. Januar 2014

Der Weg für die Gedenkstätte im ehemaligen Frauengefängnis im sächsischen Stollberg ist frei. Innenminister Markus Ulbig (CDU) übergab am Dienstag einen Fördermittelbescheid über 625.000 Euro. Wie das Ministerium in Dresden mitteilte, ist das Geld für die Sanierung des Westflügels des früheren Schlosses Hoheneck bei Chemnitz bestimmt. Dort soll die Gedenkstätte entstehen. Die Förderung begründete Ulbig damit, dass Städte eine „lebendige Geschichte zeigen“ müssten. Auch das sei Heimat.

Gedenkstätte für Opfer von DDR-Unrecht

Schloss Hoheneck wurde von 1886 bis 2001 als Frauengefängnis genutzt und steht seitdem leer. Nach der Sanierung ist eine Nutzung als Gedenkstätte und als Museum für die interaktive Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ vorgesehen. In den ersten beiden Bauabschnitten konnten bereits der Nordflügel saniert und der Südflügel gesichert werden. Die neuen Fördermittel sind nun für die Sanierung des Westflügels des Schlosses bestimmt, in dem die Gedenkstätte Hoheneck ihren Platz haben soll.

Katastrophale Haftbedingungen

Das Stollberger Schloss war das größte Frauengefängnis der DDR und für seine katastrophalen Haftbedingungen bekannt. Der Name Hoheneck wurde zum Synonym für die aus politischen Gründen inhaftierten Frauen in der DDR. Genaue Zahlen der Inhaftierten sind nicht bekannt. Schätzungen gehen von mehreren Tausend aus. Es gab Zellen für Isolations- sowie Dunkelhaft. Das Gebäude steht auf den Grundmauern eines Jagdschlosses aus dem 16. Jahrhundert, das wiederum auf den Ruinen einer mittelalterlichen Grenzfeste errichtet wurde. Die wahrscheinlich um 1200 erbaute sogenannte Staleburg gab dem Ort Stollberg den Namen.

10. Januar 2014, Quelle: MDR


Besonderer Fokus auf Frauenhaftanstalt

8. Dezember 2013

 

Schloss Hoheneck ist jetzt einer von bisher sechs „Politischen Orten“ in Sachsen. Schlussendlich möchte die Landeszentrale für politische Bildung zwanzig Örtlichkeiten auszeichnen.Stollberg. Schloss Hoheneck nimmt im Stollberger Stadtbild eine exponierte Position ein. Der Förderverein „Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck“ und die Stadt leiten einiges in die Wege, damit dies auch im allgemeinen Bewusstsein so ist. Rückenwind gibt es jetzt von der Landeszentrale für politische Bildung, die Hoheneck nun als „Politischen Ort“ ausgezeichnet hat. „Politische Orte sind Orte, an denen sich Geschichte ereignet hat; aber auch solche, wo Menschen zu Opfern oder Tätern geworden sind“, erläutert Henry Krause von der Landeszentrale für politische Bildung.“

Oberbürgermeister Marcel Schmidt betont gestern bei der Verleihung, dass der Staat gerade in Hoheneck versucht habe, diesen Ort möglichst unpolitisch zu halten. „Die inhaftierten Frauen haben trotzdem ihre Gesinnung behalten“, stellt Schmidt klar. Eine der ehemals Inhaftierten ist Rosel Werl, die gestern mahnt: „Hier wird an politische Gefangenschaft in zwei Gewaltherrschaften erinnert.“ Werl motiviert speziell die Jugend, diese Erinnerung nicht sterben zu lassen. Das Thema Frauenhaftanstalt ist in Teilen der Jugend durchaus präsent. So stellten gestern Jugendliche insgesamt drei Projekte vor, die sich mit der Geschichte Hohenecks beschäftigen.

Landrat Frank Vogel spricht zwar nicht direkt die Jugendlichen an, dürfte sich aber über deren Engagement trotzdem freuen. Denn seine Forderung ist eindeutig: „Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb müssen wir jetzt die Chance nutzen, Hoheneck als Gedenkstätte zu etablieren.“ Es sei wichtig, das dieser Ort auch zukünftig zugänglich sei. Genau das ist die Absicht von Förderverein und Stadt.

Die Landeszentrale hat bei ihren Bemühungen gerade auch kleinere Städte abseits der Zentren im Blick. Die Entscheidung für Hoheneck ist den Verantwortlichen der Landeszentrale dabei nicht sonderlich schwer gefallen. „Schließlich ist dies nicht irgendeine Liegenschaft, nicht irgendein Gefängnis“, betont Krause, der sich allerdings über die Resonanz aus dem Erzgebirgskreis etwas enttäuscht zeigte. Insgesamt waren nur vier Bewerbungen bei der Landeszentrale eingegangen.

„Unser Ziel ist es, pro Landkreis jeweils zwei Orte auszuzeichnen“, sagt Krause. Neben Hoheneck ist das im Erzgebirgskreis die Magister-Georg-Körner-Gesellschaft in Bockau als deutsch-tschechisches Begegnungszentrum. Mit der Auszeichnung möchte die Landeszentrale vor allem auch die ehrenamtliche Arbeit vor Ort stützen. „Wir bieten unsere Zusammenarbeit bei gemeinsamen Veranstaltungen an“, sagt Krause. Ganz nebenbei gibt es auch 2000 Euro. „Das Geld haben wir eingeplant, um für die künftige Gedenkstätte eine Video- und Audioanlage anzuschaffen“, sagt Vereinsvorsitzender Dietrich Hamann.

Freie Presse, erschienen am 28.11.2013 ( Von Björn Josten )

Von der Stasi gedemütigt und eingesperrt: Ehemalige Moderatorin des DDR-Fernsehens, Edda Schönherz

3. Dezember 2013

Ochtendung – „Sie sind wieder obenauf!“ – Gemeint sind die Stasi-Leute, die Edda Schönherz und ihre Leidensgenossinnen im DDR-Frauengefängnis demütigten und terrorisierten, weil sie, wie sie sagt, von Deutschland nach Deutschland wollte.

Die ehemalige Ansagerin und Moderatorin des DDR-Fernsehens sprach im Ochtendunger Hotel Arosa auf Einladung von Daniel Schnack, dem Vorsitzender der Jungen Union Maifeld. Ihre Schilderung der Verhöre in Berlin-Hohenschönhausen und der Verhältnisse im berüchtigten Stasi-Frauengefängnis von Hoheneck schockierte die Zuhörer.

„Ich will die Aufarbeitung unserer Geschichte, nicht eine Hatz auf Stasi-Leute“, versicherte die 69-Jährige. Sie beklagte: „Die Männer, die mir im Zuchthaus gegenüber saßen, haben kein Rückgrat.“ Heute führten sie mittelständische Unternehmen, seien Vorstandvorsitzende, besäßen Hotels. Edda Schönherz mahnte: „Stasi-Leute in der Regierung sind ein Schlag ins Gesicht des ganzen deutschen Volkes.“

Sie hat ihre persönliche Geschichte in einem Buch festgehalten. Was war der Anlass für ihre Inhaftierung? Schönherz erkundigte sich während eines Urlaubs mit ihren Kindern in Budapest bei den Botschaften der Bundesrepublik und den USA nach Möglichkeiten, um die DDR zu verlassen. Weil die Botschaften von der Stasi observiert wurden, hat man sie später festgenommen und zur Untersuchungshaft nach Hohenschönhausen gebracht. Dort wurde mit psychischem Druck gearbeitet. Stets beobachtet durch eine Klappe, wurde sie am Schlafen gehindert und von einem Mann bei einer körperlichen Untersuchung gedemütigt. Eine strafbare Handlung konnte man ihr nicht nachweisen. Dennoch wurde sie „wegen staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ und „Vorbereitung eines ungesetzlichen Grenzübertritts“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie landete im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck.

Die Täter, so die Autorin, beziehen heute hohe Pensionen, ihre Bezüge seien den Offizieren der Bundeswehr angeglichen. „Und die Leute, die als Häftlinge fertig gemacht wurden, bekommen eine Armutsrente.“

Ob sie jetzt noch immer bedrängt werde, will ein Zuhörer wissen. Schönherz: „Nein, bisher habe ich davon noch nichts gemerkt.“ Die Autorin erinnert an die Organisation der Stasi: „Sie umfasste 92 000 feste Mitarbeiter und 460 000 inoffizielle Mitarbeiter bei einer Bevölkerung von 16 Millionen Menschen.“ Bis 1977 blieb die Autorin in Staatsgewahrsam. Zwei Jahre später konnte sie mit ihren Kindern ausreisen. 20 Jahre arbeitete sie als Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk. Heute ist sie als Zeitzeugenreferentin für politische Bildung tätig und führt Besucher in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Quelle: Rhein Zeitung, Heinz Israel, 3.12.2013


Chemnitzer Schüler gewinnen Geschichtspreis des Bundespräsidenten

13. November 2013

Wie lebt es sich in Nachbarschaft eines Symbols des Unrechts im DDR-Regime? Dieser Frage gingen Chemnitzer Gymnasiasten im Fall des früheren Frauengefängnisses Hoheneck nach. Vom Bundespräsidenten werden sie dafür jetzt ausgezeichnet.

Berlin/Dresden. Mit ihrer Arbeit über das DDR-Frauengefängnis Hoheneck haben drei Schüler aus Chemnitz einen ersten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen. Wie das sächsische Kultusministerium in Dresden mitteilte, werden die drei jungen Männer aus dem 11. Jahrgang des Gymnasiums Einsiedel für ihre Untersuchungen zu den Nachbarschaftsbeziehungen der früheren Strafanstalt in Stollberg im Erzgebirge ausgezeichnet.

Gesamter Artikel hier: Sächsische Zeitung, 13. November 2013


Torturen, die das ganze Leben prägen

11. November 2013

Ihr neues Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ hat Ellen Thiemann kürzlich in der Kreisvolkshochschule Hildburghausen vorgestellt. Lebendig und nachvollziehbar berichtete die Journalistin von den Torturen, die viele Frauen im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck versehrt haben.

Quelle: FW, 11. 11.2013. Ganzer Artikel hier