Protest gegen Lesung in Leipzig

Im Vorfeld einer Lesung von Jana Döhring und Ilko-Sascha Kowalczuk  am 15. März in Leipzig (ab 20 Uhr in der Gedenkstätte Museum in der Runden Ecke, Dittrichring 24) kam es in letzter Zeit zu Protesten ehemaliger politischer Gefangener. Worum geht es? Frau Döhring, „Stasiratte“ nach eigenem Bekunden, hat ein Buch mit dem Titel „Stasiratte“ über ihre IM-Tätigkeit veröffentlicht und wird es anlässlich der Leipziger Buchmesse vorstellen. Dass dies in den Räumen der Gedenkstätte „Museum in der Runden Ecke“ geschieht, ist sehr umstritten, bietet es Tätern doch damit unverständlicherweise eine Plattform, um im Selbstmitleid zu schwelgen und ihr Buch zu promoten. Dies wird u.a. vom Frauenkreis der Hoheneckerinnen ausdrücklich abgelehnt. In einem offenen Brief  an das Staatsministrium für Kultur und Medien wird der Protest näher erläutert. Wer sich den Unterzeichnern anschliessen will, kann dies gern tun.                            [bs, 14.03.2013]

Brief hier: Protest

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4 Responses to Protest gegen Lesung in Leipzig

  1. Renker sagt:

    Guten Tag, liebe Frauen.

    Auch ich bin von dieser dubiosen Lesung in Leipzig entsetzt und habe mit dem Moderator dieser Veranstaltung, Herr Gerald Praschl (Super-Illu) bei facebook, auf seiner Seite dazu diskutiert.

    Ich schließe mich dem Protest an und füge vier meiner Beiträge an Herrn Praschl, hier mit an.

    1. Aufarbeitung und Verklärung.

    Ich halte es nicht für einen Fehler, wenn mit ehemaligen Stasi- Mitarbeitern öffentlichkeitswirksam gesprochen wird, die ihr Unrecht erkannt haben und wirklich bedauern.

    Im Fall von Genossin Döhring, liegt die Sache jedoch völlig anders und dies wird kaum publiziert. Ihr geht es in erster Linie um ihre „Ohnmachtsgefühle“ gegenüber einem ihrer Spitzelopfer und gegenüber der Gefahr von ihm entlarvt zu werden. Und es geht ihr eben nicht um ihre Schuldgefühle…die sie lediglich zur Bildverschönerung in den Text einarbeitet. Ich habe selten einen solchen Drang zum Kommerz und eine so deutliche Verdrängung eigenen Versagens, erlebt. Die Bühne die ihr in der „Runden Ecke“ von Tobias Hollitzer geboten wird, wird sie nutzen.

    Gerald Praschl hat die Gelegenheit, dazu ein paar Worte zu sagen. Welche das sein werden, weiß kein Mensch. Die Leipziger Volkszeitung (die immer noch nicht frei von SED- Mitgliedern ist), hat ihr am 8. 3.2013 eine ganze Zeitungsseite für Werbezwecke spendiert. Auch dies habe ich in solcher Uferlosigkeit noch nicht erlebt.

    Frau Döhring gehört auch nicht zu den IM der Stasi, die zur Mitarbeit gedrängt, erpresst, oder gelockt worden sind. Sie hat aus freien Stücken, den eigenen Vorteil immer berechnend und völlig charakterlos ihre Kolleginnen und Kollegen bespitzelt.

    Und genau an diesem Punkt stellt sich mir die Frage, warum das Bürgerkomitee keinen Stasi- IM eingeladen hat, der zur Mitarbeit gezwungen wurde und der diesen Teil der perversen kommunistischen SED- Praxis aufzeigt. Das würde für mich einen gesamtgesellschaftlichen SINN ergeben und einen pädagogischen Nutzen bringen.

    Der reißerische Titel „Stasiratte“, kann den aufmerksamen Leser nicht täuschen. Ratten sind sehr soziale Tiere. Sie sind gegenüber ihren Artgenossen sehr hilfsbereit. Frau Döhring gelingt diese Hilfsbereitschaft auch, mit Blick auf die Stasi und immer noch für sich selbst. Nein, Frau Döhring, eine Ratte sind sie nicht. Ehrlose und berechnende Denunziantin, kommt wohl näher.

    Zumindest können nun Klassenkämpfer wie Gysi und Kollegen, ihre Schreibtische jetzt intensiver nutzen und weitere Werke dieser unheimlichen Art folgen lassen. Die Mechanismen einer längst laborfähigen und durchmischten Aufarbeitungsindustrie, bieten beste Einstiegsmöglichkeiten zum Transport von dubiosen Inhalten. Ein Schelm, der dieser inszenierten Plauder- Industrie skeptisch gegenübersteht.

    Den tausenden Frauen im SED- Zuchthaus Hoheneck wird auch ein bisschen gedacht, denn Ellen Thiemann liest am 15.3.2013. Ob sie sich in der Programmheft- Nachbarschaft von Frau Döhring wohl fühlt? Mir wurde schon schlecht beim Lesen der Veranstaltungs- Hinweise.
    Das liegt wahrscheinlich an meiner Sozialisation in der SED- Diktatur. Oder eben doch an den Leuten, die des Kampfes müde, nun doch lieber mit den Tätern plaudern. Sie rücken mit diesem Gebaren weg von mir und den ehemaligen politischen Häftlingen. Wir wissen nämlich aus schmerzhafter Erfahrung, was man Menschen zumuten kann und zumuten sollte.
    Den Tätern, wie den Opfern, auch der schweigenden Mehrheit.

    2. Nein, völlig falsche Fährte.
    Richtig ist: Der Kern des Problems ist, auch diese Frau Döhring hat (wie fast alle 200.000 andere Stasimitarbeiter!) ihr Schweigen nur beendet und erst beendet, weil ihre Taten (Denunziation) von einem ihrer Opfer in seiner Stasi-Akte entdeckt worden ist und er sie deshalb monatlich an ihren Verrat erinnert hat. Ansonsten hätte auch sie weiter geschwiegen, hätte kein „Buch“ geschrieben und hätte weiter gehofft nicht entdeckt zu werden. Seine Telefeonnummer stand auf den Postkarten, die er ihr nach Köln geschickt hat mit drauf. Sie hat nicht angerufen. Etwas völliges anderes geschieht! Sie geht einen ganz anderen Weg, und zwar ganz bewußt und wie schon im Berliner Palasthotel, ihre Chancen und ihren Vorteil, dabei eiskalt berechnend. Sie geht gegen ihn gerichtlich vor und erzwingt so das Ende seiner Erinnerung per Postkarten. Und dann denkt sie nach, was ihr weiteren Nutzen bringen könnte. Und erst dann wählt sie ihre Mitleidstour per Buchveröffentlichung und den Medienrummel. Wenn die Reue von Stasi- Tätern das Verklagen von Stasi-Opfern ist, dann ist wahrscheinlich irgendein humanistischer Horizont beim Betrachter verschoben. Ihren „Apell“ an alle MfS- Mitarbeiter kann sich Frau Döhring „stecken“, die Genossen von ISOR und anderen Stasi- Einheiten werden sich biegen vor Lachen! Mich hätte viel mehr interessiert, wann sich die „reuige Frau Döhring“ das Zuchthaus Hoheneck, oder das Zuchthaus Cottbus angesehen hat. Dort hausten nämlich genau solche Menschen, die u.a. durch egoistische und ehrlose Stasi-Spitzel wie sie selbst, unter den furchstbaren Bedingungen ihre Strafen absitzen mußten. Herr Praschl, ich habe selbst bereits dreimal in der „Runden Ecke“ gelesen. Ich kann mich nicht erinnern, irgendein Wurstblatt hätte sich für diese Lesungen interessiert. Doch, Moment mal, einmal habe ich zusammen mit Dr. Rößler und Siegmar Faust gelesen, da stand in der LVZ ein geschmeidiger Vierzeiler. Macht nichts, wir leben ja in einer Demokratie und da kann jeder Mensch für sich selbst entscheiden, wer ein anständiger Stasi/SED- Genosse war und wer nicht. Wenn Sie, Herr Praschl, aber von „Lust“ schreiben, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Sie sind sehr weit weg von den Befindlichkeiten ehemaliger Stasi- Häftlinge. Das Fernbleiben hat nichts mit „fehlender Lust“ zu tun, sondern mit Ekel, Verachtung und Fassungslosigkeit. Oder können Sie sich vorstellen das ehemalige Häftlinge des NS- Regimes zu einer Plauderrunde mit einem Gestapo-Spitzel in das Museum des KZ Buchenwald kommen? Fazit: Ihr habt Euch die falsche Person ausgesucht! Deshalb: Rette sich wer kann, die Begeisterungswelle der Unwissenden schappt ins Land. Fehlen eigentlich nur noch die Aktivisten aus der chronisch „bewegt- couragierten“ Ecke. Dann ist der Wahnsinn nicht mehr zu stoppen. Typisch für die Zustände in Deutschland. Wie gesagt, mit menschlichen Abgründen und deren Schattierungen kenne ich mich gut aus, bin auch im Thema Stasi und SED, NPD und Islamismus, ganz gut unterwegs. Ich lasse mich nicht so leicht täuschen, das haben schon ganz, ganz, ganz andere Spezialisten versucht. Die hatten ein Hochschulstudium absolviert, in dem neben Marxismus- Leninismus, Waffenkunde, Vernehmungstaktik, u.a. auch psychologische Zersetzung zum Lernstoff gehörte. Die Kämpfer waren fit, auch argumentationsfreudig. Es war damals, als Frau Döhring zur Stasi- Verräterin wurde und ich die ersten Stasi- Verhöre überstehen mußte und die ersten Nächte im Tigerkäfig war.

    3. Herr Praschl. Ihr „Glauben an Reue“ steht Ihnen genauso frei, wie mir das Wissen um die Dinge.
    Ist Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“ für Sie auch glaubwürdig? Zu meiner o.g. zeitlichen und wichtigen Abfolge der Döhring`schen Aktionen, äußern Sie sich nicht. Auch nicht zur Klage dieser IM des MfS gegen eines ihrer Spitzelopfer. Sie äußern sich auch nicht zu meinem Beispiel „KZ Buchenwald“. Sie müssen es natürlich nicht, ich bemerke es nur interessiert und das Schweigen wird Gründe haben. Sie haben mindestens ein entscheidendes Problem immer noch nicht erkannt, oder Sie klammern sich ganz bewußt an das Thema „Glaubwürdigkeit“. Wer sich von der Stasi und von der SED ein umfassendes Bild machen will (besonders wenn er kein Opfer der SED- Diktatur war), sollte diese Veranstaltung in der „Runde Ecke“ nicht besuchen, denn sie ist kontraproduktiv für die ehrliche Aufarbeitung des SED- Unrechts. Er kann aber, wenn er solche Veranstaltungen besucht, ein neues Detail der Mechanismen der Aufarbeitungs-Industrie kennen lernen und wird feststellen, die Interessen Opfer der SED werden nicht immer von den „Aufarbeitern“ vertreten. Schon längst haben sich Einzelne dieser selbsternannten „Aufklärer“ vom Kampf gegen die Täter verabschiedet und bedienen das menschliche Bedürfnis nach „Friede, Freude, Eierkuchen- Geschwafel“. Wenn man sie aber auf diesen Wegen trifft, reagieren sie empört, weichen aus und fühlen sich missverstanden. Da geht es ihnen wie der IM Döhring. Nein, ich muß mir weder von ehemaligen und jetzigen Stasis, noch von Leuten die nie in Stasi- Haft waren, die Welt, Gut und Böse, und auch nicht die Deutsche Geschichte erklären lassen. Das ist unter meiner Würde. Ganz ehrlich! Interessierte sollten sich aber viele Jahre Zeit nehmen zum Lesen von Stasi- Unterlagen, für Gespräche mit den Opfern, für Besuche in den Gedenkstätten der Zweiten Deutschen Diktatur, für das Begreifen von Machtstrukturen in totalitären Staaten, für das Thema Ehrlichkeit und Charakterlosigkeit (die absolute Mehrheit der Ostdeutschen waren und sind nämlich ehrlich geblieben!!!) , für die Erinnerung an die Ermordeten, für Besuche in den Hinrichtungsstätten (Leipzig -> Alfred-Kästner-Straße), für die gnadenlosen Bedingungen der Menschen im totalen Überwachungsstaat „DDR“, für die Besuche auf den Friedhöfen an den Gräbern der „unbekannten Anatomie-Leichen“, für Vergleiche mit der NSDAP und Gestapo/SS,…für das Thema KPdSU und Geschichte des NKWD/KGB, und er sollte vorallem nicht glauben, er könne immer und überall in den Medien die Wahrheit finden. Wer sich ernsthaft mit den SED- Tätern und deren Helfern beschäftigt, wird in einem Meer von Lügen sein. Diese SED- Lügen sind systemimmanent und Typen wie Döhring, waren die Verräter des Volkes, Feinde der Menschen. Wahrscheinlich hat das weder sie selbst, noch der Rest ihrer aufgeregten Glaubensgemeinschaft verinnerlicht. Frau Döhring sollte im Red- Bull-Stadion lesen, gleich nach Mario Barth, oder zusammen mit den Stasi-Puhdys eine Mugge machen. Auch das Karl-Liebknecht-Haus ist für mich denkbar. Oder Lafontains Villa. Es ist seltsam still in Deutschland und Döhring macht Krach. Macht nichts, ich mach mein Ding.
    Versprochen. Pionier- Ehrenwort!

    4. Lesen Sie meine Beiträge nur quer?
    Ich hatte doch deutlich geschrieben, dass das, was Frau Döhring Reue nennt und Sie als Reue verstehen, für mich keine aufrichtige Reue ist. Wer als Stasi-Spitzel ausgerechnet die Person vor bundesdeutschen Gerichten verklagt, die von ihm bespitzelt wurde, ist kein reuiger Sünder, sondern ein heuchelnder Selbstdarsteller. Und genau solche Personen gehören nicht in die Stasi- Gedenkstätten, auch nicht in die SED- Diktatur Gedenkstätten, falls es diese jemals geben wird. Zuträger der NSDAP- Gestapo, gehören auch nicht in die Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Sie sehen es anders, das ist Ihr gutes Recht. Es war auch Ihr gutes Recht, Wojciech Jaruzelski, den kommunistischen Staatsverbrecher und Russenknecht zu interviewen. Er hat sich ja entschuldigt…Auch den blutbesudelten, kommunistischen Verbrecher Janukowitsch haben Sie interviewt. Auch er hat ja „Mitleid“ mit seinem Opfer Julia Timoschenko. Es sind nur zwei Beispiele Ihrer Arbeit. Mir fällt insgesamt auf, Sie plaudern gern mit den Menschen, die unendliches Leid über die Menschen gebracht haben und die vor ein ordentliches Gericht gehören, nicht nur wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Wahlfälschungen. Ja, ich weiß, mit Lech Walesa und Roland Jahn haben Sie auch geplaudert. Und jetzt eben mit Döhring. Hauptsache ist bei Ihnen, Sie glauben die Motivlage des jeweiligen Gesprächspartners erkannt zu haben. Der von der Denunziantin Döhring doppelt verfolgte Kollege hat ihr nicht vergeben. Warum interviewen Sie eigentlich nicht ihn? Wenn von rund 200.000 ehemaligen IM des MfS, ein Spitzel (Döhring) ein paar Seiten füllt, Reue heuchelt und der Rest sich weiter versteckt und weiter schweigt, dann müssen Sie Herr Praschl, den „Ball der Vergebung“ nicht an die Opfer weiter reichen. Wo kein ehrlicher Wille ist, wird es keine Vergebung geben. Was machen wir eigentlich mit den Millionen an Toten, die durch die kommunistischen Terror- Regime längst nicht mehr vergeben können? Was machen wir mit deren Hinterbliebenen? Hat sich bei denen irgendeiner dieser kommunistischer Mörder gemeldet? Ich habe nie davon gehört. Auch bei mir hat sich kein einziger Stasi, Staatsanwalt, Richter, oder Spitzel gemeldet. Das werden sie nicht, und müssen es auch nicht. Ich kenne keine Gnade für die Gnadenlosen. Ich habe dies auch anderen Menschen mitgeteilt, die immer so bewegt- couragiert von der Reue der Täter philosophieren, eher schwadronieren. Dazu gehört die Landesbischöfin Junkermann, Friedrich Schorlemmer, Mitglieder von CDU, CSU, Grüne und SPD. Sie alle haben nicht einen einzigen Tag in Stasi-Haft verbringen müsssen, wollen uns ehemaligen Häftlingen aber ständig ihre eigene Sicht, als die einzig richtige und die einzige humanistische aufzwingen. Das lehne ich ab. Man muß in diesem Thema Betroffener sein, unmittelbar, dann höre ich gern zu. Beim Rest bleibt immer Skepsis, denn die, die jetzt von „Reue, Versöhnung und Neuanfang“ palavern, haben bis 1989 zumeist geschwiegen und keinem einzigen SED- Opfer geholfen. Und sie schweigen seit 1990 weiter, zur Umbenennung der linksextremistischen SED, zum Einigungsvertrag der die SED- Täter schützt und privilegiert, sie schweigen zur flächendeckenden Verteilung der SED- Täter quer durch Deutschland, in Politik, in Armee, in Polizei, in Kultur, in Funk und Fernsehen, in den Zeitungen und Verlagen, in Betrieben und Konzernen in Schulen und Universitäten usw. Nein, Frau Döhring ist wirklich nicht interessant, nicht einmal dort, wo sie jetzt versehentlich die Wahrheit sagt. Ich stehe auf der Seite der SED- Opfer, da brauche ich keinen „Apell“ an alle einstigen hauptamtlichen und inoffizellen Mitarbeiter der Stasi. Ich brauche ein Land frei von SED- Extremisten, ich brauche Behörden, in denen mir nicht die SED- Täter als Beamte gegenübersitzen, ich brauche Politiker die die umbenannte SED bekämpfen, ich brauche Gerichte und Staatsanwälte, die von den den SED- Juristen konsequent gesäubert werden, und ich brauche Lehrer und Erzieher, die bis 1989 die Kinder und Jugendlichen nicht zum Hass auf den Klassenfeind erzogen haben!
    Das ist wichtig und nicht dieser kleine Jammerhaufen mit Serviertablett, an der unsichtbaren Klassenkampf- Barfront.

    Mit besten Grüßen aus Leipzig,

    Thomas Renker.

  2. Ellen Thiemann sagt:

    Lieber Thomas Renker,
    Sie haben mir mit Ihrer fundierten Empörung aus dem Herzen gesprochen! Vielen Dank für Ihre klaren Worte. Keine Bange, ich habe mich weder in der „Programmheft-Nachbarschaft“ des Stasi-Spitzels „Jana Döhring“ wohlgefühlt, noch hatte ich so kurzfristig die Möglichkeit, meine Lesung zwei Stunden vorher abzusagen. Zahlreiche ehemalige Haftkameradinnen waren extra aus Bayern, NRW, Berlin und Sachsen angereist, um die Premiere meines dritten Buches über Hoheneck zu erleben. Das war der einzige Grund, weshalb ich überhaupt in dem schmalen Gang des ehemaligen Stasi-Gefängnisses, statt in einem ursprünglich zugesicherten Saal referiert habe.

    Nein, Herr Renker, des Kampfes müde bin ich beileibe nicht. Das habe ich sicher in fast 40 Jahre dauernder Aufklärungsarbeit bewiesen – und hätte sonst dieses dritte Enthüllungsbuch auch nicht geschrieben. Die sächsische Justiz wird nicht umhin kommen, die von mir aufgedeckten Grausamkeiten an den Frauen von Hoheneck näher zu beleuchten. Die Details in „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ habe ich nicht aus dem Gedächtnis geschrieben, sondern den so genannten „Tätigkeits- und Rapportbüchern“ entnommen, die mir die BStU aufgrund meines Forschungsantrages zur Verfügung stellte. Offenbar bin ich die erste Journalistin, die in dem Sumpf von umfangreichem Tatsachenmaterial über Hoheneck geforstet und nun gewisse Tabuthemen öffentlich gemacht hat. Mich haben die Auswertungen dieser Brutalitäten mehr als einmal an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.

    Bezüglich des Skandals in der „Runden Ecke“ nur so viel: Ich habe gerade an den Kultusminister Bernd Neumann geschrieben und behalte mir vor, diese Missachtung gegenüber den Opfern der DDR-Diktatur auch in Wort und Schrift bekanntzumachen.

    Sie werden sicher noch davon hören.
    Mit besten Grüßen Ellen Thiemann

  3. Frank Auer sagt:

    Liebe Gästebuchbesucher,

    vor wenigen Tagen ist das dritte Buch von Frau Ellen Thiemann „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ erschienen.
    Dieses Buch ist insbesondere allen tapferen und mutigen Frauen von Hoheneck gewidmet, die dort gequält, diskriminiert, in den Selbstmord getrieben wurden oder anderweitig zu Tode gekommen sind. Aber auch erinnert es, an die Kinder und Jugendlichen, die durch die Inhaftierung ihrer Eltern in DDR-Kinderheime gesteckt oder zwangsadoptiert wurden. Darüberhinaus wird der Medikamentenmissbrauch durch Psychopharmaka detailiert beschrieben.
    Direkt nach Veröffentlichung des Buches, habe ich mir dieses besorgt und bereits gelesen. Wie bei allen Büchern von Frau Thiemann läuft es auch hier einem kalt den Rücken herunter und man ist zutiefst erschüttert.
    Erneut hat Frau Ellen Thiemann mit ihrem dritten Buch eindrucksvoll unmenschliche Schicksale geschildert. Selbst die Umstände, dass Frau Thiemann mit jeder Silbe an ihre eigene Haftzeit erinnert worden ist und sich wegen den Veröffentlichungen immer neuer Details auch heute noch mit Anfeindungen ehemaliger Täter auseinandersetzen muss, schreckt sie nicht ab immer weiter zu recherchieren und das Regime des Unrechtstaates anzuprangern. Diese Leistung verdient unser aller Anerkennung und Respekt!
    Selbst ich als Außenstehender empfinde tiefe Bewunderung und Hochachtung vor den Leistungen und Engagement der Frau Thiemann. Ich glaube viele, ob SED-Opfer oder nicht werden und können sich dieser Meinung nur anschließen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Auer
    frank_auer@freenet.de

  4. Angelika Kanitz sagt:

    Hallo Frank Auer,
    dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Dies ist auch meine persönliche Ansicht.
    Angelika Kanitz

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