Ausstellung in der hessischen Landeszentrale beleuchtet bis zum 31. Januar die Zustände in Hoheneck

(Ausstellungseröffnung  Das Frauengefängnis Hoheneckaja). Bautzen, das Zuchthaus der DDR, und die brutalen Zustände, die dort herrschten, sind vielen geläufig. Das Frauengefängnis Hoheneck hingegen ist nur wenigen Menschen ein Begriff, obwohl dort Tausende von Frauen unter unwürdigen Bedingungen in den Jahren 1949 bis 1989 gefangen gehalten wurden. Eine Ausstellung in der hessischen Landeszentrale beleuchtet bis 31. Januar 2013 die Zustände im Gefängnis und zeigt exemplarische Lebensgeschichten dort inhaftierter Frauen.

25 ehemalige Inhaftierte haben sich dem Fotografen Dirk von Nayhauß und der Autorin Maggie Riepl anvertraut. Neun von ihnen waren bei der Ausstellungseröffnung zugegen, die Jutta Fleck („Die Frau vom Checkpoint Charlie“) vornahm. Sie ist seit 2009 Leiterin eines Dokumentationszentrums und Ansprechpartnerin für Zeitzeugen des SED-Unrechtsregimes, eines Projektes der HLZ. Hessen, so HLZ-Direktor Bernd Heidenreich, sei Vorreiter bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Ausstellung schaffe es, Geschichte persönlich erlebbar zu machen und die Betrachter spüren zu lassen, welches Unrecht an den Menschen verübt wurde. Ihr einziges „Verbrechen“ bestand meist darin, dass sie die DDR verlassen wollten, Kontakt zu Westdeutschen hatten oder einfach ihre Meinung offen äußerten.

So wurde zum Beispiel die 1937 geborene Ellen Thiemann 1972 wegen „geplanter Republikflucht und staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ zu zwei Jahren in Hoheneck verurteilt. Auch unter Folter verriet sie die Beteiligung ihres Mannes nicht, der sich später als Stasi-IM herausstellte. Petra Koch, geboren 1960, macht 1982 einen Fluchtversuch von der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich, der scheitert und auch sie ins Zuchthaus bringt. Sie wird von der Bundesrepublik freigekauft. Catharina Mäge, Jahrgang 1956, wurde ebenfalls wegen „versuchter Republikflucht“ für ein Jahr in Hoheneck inhaftiert.

Die Zustände in dem Gefängnis waren entsetzlich. Für 600 Häftlinge vorgesehen, mussten teilweise bis zu 1600 Frauen dort unter hygienischen und psychologischen Extrembedingungen ausharren. Kriminelle und die „Politischen“ wurden gemeinsam inhaftiert. Viele wurden mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Sie mussten im Akkord arbeiten, zum Beispiel Bettwäsche nähen, die in westlichen Kaufhäusern landete.

Die Autoren des Buches „Ein dunkler Ort“, das mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gedruckt wurde und in der HLZ kostenlos erhältlich ist, schildern diese Schicksale mit Daten und Dokumenten, die erschüttern. Die Ausstellung zeige, so Bernd Heidenreich, „dass Freiheit ein Wert ist, der nicht selbstverständlich ist, sondern für den wir aktiv eintreten müssen – jeden Tag“.

Quelle: Wiesbadener Kurier, 6.12.2012

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2 Responses to Ausstellung in der hessischen Landeszentrale beleuchtet bis zum 31. Januar die Zustände in Hoheneck

  1. Vera.Tellschow@t-online.de sagt:

    Ich will nicht ständig nur was von Hoheneck hören, es gab noch andere Haftanstalten, dort gings genauso zu wie in Hoheneck. Es sollten auch andere Schicksale im Blog zur Sprache kommen, was geschah in den UHA des MdI, StVA und im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf. War man nicht in Hoheneck, klingt es so, als ob man weniger Qualen ausstehen mußte, was absolut falsch ist.

  2. hoheneck sagt:

    Hallo Vera,
    einige Anmerkungen zu deinem Kommentar:
    Es hat NIE jemand behauptet, dass in anderen Haftanstalten weniger gelitten wurde als in Hoheneck. Wenn du nicht ständig über Hoheneck lesen willst, musst du das nicht tun. Es zwingt dich ja niemand dazu. Ich habe dieses Blog ins Leben gerufen, weil ICH über HOHENECK berichten wollte und eine Plattform zum Austausch bieten möchte. Über andere Haftanstalten (abgesehen von der Stasi-UHA) kann ich schlecht berichten, wenn ich sie nicht kenne. Das überlasse ich anderen. Du kannst gern ein Blog über Meusdorf, Halle, Hohenleuben oder ähnliche Orte erstellen; daran hindert dich niemand. Aber bitte nimm zur Kenntnis, dass DIESES Blog nun mal den Fokus Hoheneck hat und weiterhin haben wird.

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