Abrisse geplant

Stollberg plant Abrisse im Schlossareal

Einige Stadträte bringen Denkmalschutz zur Debatte

Stollberg. Der Stadtrat hat am Montag Geld zum Abriss einzelner Nebengebäude von Schloss Hoheneck bewilligt. Es handelt sich dabei beispielsweise um die alte Turnhalle, die ehemalige Wäscherei, die Kohlenanlage, das Heizhaus und andere abrissreife Nebengebäude auf dem Areal. Der geplante Abbruch ist Teil eines Stadtteilkonzeptes, welches für den gesamten Ortsteil Hoheneck möglichst bis Jahresende erstellt werden soll. […]

Erst Mitte Mai diesen Jahres hatte Bundespräsident Christian Wulff das ehemalige DDR-Frauengefängnis besucht und dazu aufgerufen, die Erinnerung an die deutschen Unrechtsregime wachzuhalten. Im Vorfeld des Besuches von Wulff hatte der Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, die Rettung des ehemaligen Frauengefängnisses Hoheneck als Gedenkort gefordert. An keiner anderen Stelle hätten Frauen zu DDR-Zeiten so gelitten wie hier. Eine Möglichkeit wäre, dass frühere Gefängnis unter das Dach der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zu nehmen. Nach langen Querelen zwischen dem Besitzer der Immobilie und dem Frauenkreis ehemaliger Hoheneckerinnen hinsichtlich der Zukunft des Gebäudes hatten beide Seiten vor kurzem signalisiert, sich für eine gemeinsame Lösung stark zu machen.

Quelle: Jan Oechsner, FREIE PRESSE, 18. 07. 2011

Ganzer Artikel hier

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2 Responses to Abrisse geplant

  1. Angelika Kanitz sagt:

    Hintergrund
    DDR-Frauengefängnis
    Ehemaliges DDR-Frauengefängnis
    soll Gedenkstätte werden / Beteiligte suchen nach
    Konsens

    Stollberg/Dresden. , das ehemalige DDR-Frauengefangnis,
    soll zur Gedenkstätte werden. Darin sind sich alle Beteiligten einig.
    die Ausgestaltung besteht allerdings noch Redebedarf.
    Von Insa van den Berg
    „Ich bin gekommen, um den erinnen Mut zu machen“,
    sagte Bundespräsident Christian Wulff, als er im Mai des vergangenen
    Jahres das ehemalige DDR-Frauengefangnis besuchte. Anlass war das
    20-jährige Bestehen des Frauenkreises ehemaliger Insassen. Die
    Mitglieder fordern bereits seit langem, dass auf dem Schloss eine
    Gedenkstätte eingerichtet wird. Ein würdiges Gedenken an diesem Ort
    sollte möglich sein, befand auch Wulff.
    Die öffentliche Aufmerksamkeit, die sein Besuch erzeugte, gab den
    Opfern Auftrieb. Den Interessen des Frauenkreises der ehemaligen
    erinnen wurde durch seine Äußerungen Nachdruck
    verliehen. Dann zeigte die ARD am 22. Jahrestag des Mauerfalls das
    Drama „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling in der Hauptrolle, das die
    Geschichte der Traumatisierung einer damals Inhaftierten erzählt. Der
    Zeitpunkt schien den Frauen günstig, mit der Umsetzung der
    II
    Gedenkstätten-Pläne endlich vorwärtszukornmen. Auch der
    Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried
    Reiprich, sah dafür gute Chancen.
    Inzwischen haben tatsächlich erste Gespräche stattgefunden, bestätigte
    Reiprich nun auf Anfrage dieser Zeitung. Teilgenommen haben daran
    neben der Stiftung der Stollberger Bürgermeister, der private
    Eigentümer des Gebäudes als auch ehemalige Insassinnen. Bislang
    eingekommen sind sie darin, dass ein Teil der Groß-Immobilie
    zur Gedenkstätte, ein anderer zum Begegnungszentrum werden soll.
    Dort könnten Vorträge, Filmvorführungen stattfinden. Konkretere
    Vorstellungen gebe es noch nicht, die Finanzierung sei noch offen,
    sagte Reiprich. „Angedacht sind auch Führungen von Zeitzeugen. Das
    könnte sich allerdings schwierig gestalten, weil die meisten der
    ehemals inhaftierten Frauen inzwischen weit entfernt leben“, erklärte
    Inge Naumann, Vorsitzende des Frauenkreises, nach einem Treffen
    mit den anderen Beteiligten.
    Genauere Vorschläge hingegen präsentiert der im Herbst gegründete und
    sehr umstrittene – Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte
    . Er hat zur künftigen Nutzung der Schlossanlage
    kürzlich ein Konzept vorgelegt. Demnach soll dort neben einem
    Erinnerungsort mit Ausstellungen eine Sächsische Akademie zur
    Erforschung und Bekämpfung von Extremismen in Politik und
    Gesellschaft untergebracht werden. Außerdem sollen
    nachtungsmöglichkeiten für Seminargäste geschaffen werden
    und ein Freizeittreff der Stadt Platz fmden. Die Vereinsvorsitzende
    Tatjana Sterneberg versteht das Konzept als Grundlage, die man „im
    guten Einvernehmen diskutieren“ könne.
    Daran besteht von Seiten des Frauenkreises und der Stiftung
    Sächsische Gedenkstätten derzeit jedoch weniger Bedarf. Der
    Stiftungsbeirat sieht als legitimen Vertreter der Opferinteressen
    ausschließlich den Frauenkreis an und dieser informiert, er stehe nicht
    im Zusammenhang mit dem Förderverein – sprich, lehne auch eine
    Zusammenarbeit ab.
    I
    I
    Fördervereins- Vorsitzende Sterneberg weiß um die Differenzen. Man
    wolle – anders als ihrer Meinung nach berurchtet – keine Konkurrenz
    zum Frauenkreis sein, sondern vielmehr eine breite Basis rur das
    Anliegen schaffen. „Wir wollen die Leute vor Ort mitnehmen,
    Stollberg ein völlig neues Image geben – das der Bürgerbeteiligung. “
    Stiftungs-Geschäftsruhrer Reiprich bemängelt, dass jedoch weder der
    Eigentümer, noch der Stollberger Bürgermeister, noch ein
    Frauenkreis- Vorstandsmitglied, noch ein Vertreter der Stiftung zu der
    Gründungsversammlung des Fördervereins eingeladen worden sei. Er
    kritisiert den Alleingang. Der Frauenkreis stört sich hingegen an der
    Vergangenheit eines Gründungsmitgliedes, der einstmals sowohl als
    Widerständler gegen die Berliner Mauer als auch aufgrund seiner
    Mitgliedschaft bei den Republikanern in die Schlagzeilen geriet.
    Heute nun wollen sich Förderverein und Vertreter der Stollberger
    Stadtverwaltung treffen, um die Zukunft von zu
    sprechen. Reiprich: „Ich hoffe sehr, dass die Verschiedenheit der
    Interessen nicht zu einem Kräfteparallelogramm mit einer negativen
    Resultierenden führt und damit das Projekt Gedenkstätte
    scheitert. “
    Siegfried Reiprich: Ich hoffe sehr, dass das Projekt Gedenkstätte
    nicht scheitert.
    Das frühere DDR-Frauengefängnis Schloss in Stollberg
    im Erzgebirge gilt bis heute als Symbol rur Haft unter unmenschlichen
    Bedingungen. Bis zu 10000 Frauen sollen dort in der Zeit von 1948
    bis 1990 Schätzungen zufolge gelitten haben.
    Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf die königlichsächsische
    Weiberzuchtanstalt eingerichtet. Zwischenzeitlich auch
    Männergefängnis entstand hier nach dem Zweiten Weltkrieg wieder
    eine Abteilung fiir weibliche Gefangene.
    1953 protestierten 1000 Frauen mit einem Hungerstreik erfolglos
    gegen die sadistische Behandlung und die untragbaren Zustände.
    1974 waren in der belegten Anstalt 40 Prozent der Gefangenen
    politische, die ab 1977 von der Bundesrepublik freigekauft werden
    konnten. Insgesamt wurden 35000 Abschiebehäftlinge
    geschleust, die 3,5 Milliarden D-Mark in die DDR-Staatskassen
    brachten. Nach der Wende erhielten 126 aus politischen Gründen
    Einsitzende eine Amnestie. 2001 schloss das sächsische
    Innenministerium die Justizvollzugsanstalt. ivdb
    : Das ehemalige DDR-Frauengefängnis soll zur
    Gedenkstätte werden.
    Es gibt für die Nutzung der einzelnen Flügel unterschiedliche
    Vorschläge. Derzeit finden Verhandlungen statt. Fotos (2): dpa
    (c) Archiv – Leipziger Volks zeitung

  2. Angelika Kanitz sagt:

    Der Inhalt dieses Artikels treibt mir die Zornesröte ins Gesicht !

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