Interview

Gefangen in der DDR

Interview mit Ellen Thiemann und Ingeborg Linke. Ein Beitrag von Julia Möckl

Die Ellen Thiemann und Ingeborg Linke stehen nebeneinander vor einer Plakatwand.Burg Hoheneck thront wie eine Festung über der Stadt Stollberg im sächsischen Erzgebirge. In der DDR wurde die Burg zum größten Frauengefängnis der DDR. Ein großer Teil der Frauen wurde aus politischen Gründen gefangen gehalten.

„Mörderinnen sind mir lieber als Sie“ – so wurde Ingeborg Linke begrüßt, als sie in Hoheneck ankam. Die Hierarchien waren von Anfang an klar: Kriminelle standen über den politischen Gefangenen, die als „Staatsverbrecher“ betitelt wurden.

25 Jahre für angebliche Spionage

Frauen wie Ingeborg Linke bildeten die erste Generation der Hoheneckerinnen. Zusammen mit ihr kamen 1950 über 1000 Frauen nach Hoheneck, die Ende der 40er Jahre noch vor sowjetischen Militärtribunalen in der SBZ angeklagt wurden. Ingeborg Linke wurde wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren verurteilt. Einen Verteidiger bekam sie nicht – der Prozess war eine Farce. Wie Ingeborg Linke landeten in dieser Zeit auch viele andere Frauen unschuldig im Gefängnis.

Republikflüchtlinge und „Bodenschläfer“

Später kamen vor allem Frauen nach Hoheneck, die wegen versuchter Republikflucht von DDR-Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Eine davon war Ellen Thiemann. Sie war Mitte der 70er Jahre inhaftiert, einer Phase, in der das Gefängnis Hoheneck deutlich überbelegt war: Im Mai 1974 waren über 1.600 Frauen in Hoheneck inhaftiert – ausgelegt war das Gefängnis für etwa 600. Zwischen den Stockbetten in den Zellen schliefen sogenannte „Bodenschläfer“.

Schlechte Verpflegung und Kellerarrest

Schlafplätze, Verpflegung, Sanitäranlagen – in Hoheneck fehlte es an allem. Auch die Freizeitgestaltung war streng reglementiert: Ingeborg Linke hat in den 5 Jahren, die sie in Hoheneck verbracht hat, nur ein einziges Buch gelesen. Ellen Thiemann erinnert sich, dass es verboten war, zu singen oder Fremdsprachen zu üben. Hinzu kamen Demütigungen und Schikanierungen: Wer aufbegehrte, wurde bestraft – durfte eine Zeit lang keinen Besuch mehr empfangen, kam in Isolationshaft oder musste in den Kellerarrest.

Hier klicken, um das Interview anzuhören: „Gefangen in der DDR“

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9 Responses to Interview

  1. Dagmar Göbert sagt:

    Suche Kontakt zur Ellen Thiemann
    – erbitte Hilfe von Euch
    Ich habe bereits im Blog am 14.Juli 2009 /#comment-13 einen
    Eintrag hinterlassen.

    Vielen Dank im voraus
    MfG
    Dagmar Göbert

    • hoheneck sagt:

      Hallo Dagmar,
      ich habe Ellen deine Emailadresse weitergeleitet. Ich nehme an, sie wird sich in Kürze bei dir melden.
      Herzliche Grüße,
      Birgit

  2. Sylvia Maron sagt:

    Hallo meine Mutter Eveline Vischer sucht den Kontakt zu Ellen Thiemann, sie waren damals zusammen im Gefängnis.

    Vielen Dank im voraus.

    S. Maron

    • hoheneck sagt:

      Hallo Sylvia, ich habe deine Anfrage an Ellen weitergeleitet… ich denke, sie wird sich in Kürze melden. Viele Grüße, Birgit

  3. Angelika Kanitz sagt:

    Hallo an alle Hoheneckerinnen.
    Wie Ihr wisst waren auch in den Zellen Spitzel am Werk.
    Wer sich seine Akten genau anschaut wird sicher welche finden.
    Eben bekam ich Post und gebe folgende Spitzel bekannt:

    Deckname Norma Rea Rose Maria Krause geb. 18.12.1061
    Deckname Bärbel Gabriele Baumgart geborene Trauzold
    geb. : 26.03.1960

  4. Birgit sagt:

    Hallo Angelika – interessant! Ich kann mich noch sehr gut an beide Frauen erinnern. Baumgart war unsere EB-Älteste auf Planet II und Krause lebte praktisch im Freizeitzentrum (privilegiert!), verwaltete die Gefängnisbibliothek und malte den ganzen Tag Bilder…

    • Angelika Kanitz sagt:

      Rose Maria Krause (Radeberg)
      Gabriele Baumgart (Erfurt )
      Wer schon eingesperrte Frauen, am Rande der Kathastrophe bespitzelt, ist wirklicher Abschaum.

    • Bobo sagt:

      Ich kenne auch beide Frauen,keine Frage,sie waren Spitzel und hatten bis zum Schluss einen heißen Draht zur Hauptmann Dotzauer.

  5. P. Vestergard sagt:

    Gibt es jemanden ,der mir sagen oder mailen kann wo man sich um Verhörprotokolle von Hoheneck kümmern sollte? Wo man die aufbewahrt evtl?
    Meine Mutter war von 58-61 dort und wir wurden weggenommen.
    Meine Mail: pi.danish@yahoo.com

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