Erstes Konzept für Hoheneck

6. September 2011

Erstmals haben sich Besitzer, Opferverein und Stadt auf eine gemeinsame Nutzungsvariante verständigt

Stollberg. Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund. Wenn dies stimmt, dann wird die Zukunft für das Ex-Frauengefängnis Hohen-eck sehr gut. Denn zu lange konnten öffentliche Hand, Opferverbände und der Besitzer der Immobilie keinen Draht zueinander finden. Doch das ist nun anders. Ein erstes Konzept für die berühmteste leer stehende Immobilie der Region liegt vor. “Alle Beteiligten halten es für umsetzbar. Aber es ist nur ein Beginn, auch noch nicht finanziell untersetzt”, so Prokurist Jens Franz im Auftrag des saarländischen Schloss-Eigentümers Bernhard Freiberger.

Der Südflügel: Gedenkstätte

Nach seiner Aussage – und der anderer Entscheider – soll nicht mehr das gesamte Schlossareal eine Gedenkstätte sein. Dafür ist der Südflügel mit den Wasserzellen, die einst Bundespräsident Christian Wulff besuchte, vorgesehen. Regelmäßige Führungen sind geplant – aber auch eine Einbettung in ein museales Rahmenkonzept, welches die gesamte Historie des Schlosses für Interessierte zeigt. Der Kern dessen, so sind sich alle einig, soll aber die Zeit als DDR-Frauengefängnis sein. Der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen soll zudem Räume im Eingangshaus erhalten, welches in den Hof führt. [...]

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Quelle: Jan Oechsner, Freie Presse, 6.9.2011


Interview

23. Mai 2011

Gefangen in der DDR

Interview mit Ellen Thiemann und Ingeborg Linke. Ein Beitrag von Julia Möckl

Die Ellen Thiemann und Ingeborg Linke stehen nebeneinander vor einer Plakatwand.Burg Hoheneck thront wie eine Festung über der Stadt Stollberg im sächsischen Erzgebirge. In der DDR wurde die Burg zum größten Frauengefängnis der DDR. Ein großer Teil der Frauen wurde aus politischen Gründen gefangen gehalten.

“Mörderinnen sind mir lieber als Sie” – so wurde Ingeborg Linke begrüßt, als sie in Hoheneck ankam. Die Hierarchien waren von Anfang an klar: Kriminelle standen über den politischen Gefangenen, die als “Staatsverbrecher” betitelt wurden.

25 Jahre für angebliche Spionage

Frauen wie Ingeborg Linke bildeten die erste Generation der Hoheneckerinnen. Zusammen mit ihr kamen 1950 über 1000 Frauen nach Hoheneck, die Ende der 40er Jahre noch vor sowjetischen Militärtribunalen in der SBZ angeklagt wurden. Ingeborg Linke wurde wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren verurteilt. Einen Verteidiger bekam sie nicht – der Prozess war eine Farce. Wie Ingeborg Linke landeten in dieser Zeit auch viele andere Frauen unschuldig im Gefängnis.

Republikflüchtlinge und “Bodenschläfer”

Später kamen vor allem Frauen nach Hoheneck, die wegen versuchter Republikflucht von DDR-Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Eine davon war Ellen Thiemann. Sie war Mitte der 70er Jahre inhaftiert, einer Phase, in der das Gefängnis Hoheneck deutlich überbelegt war: Im Mai 1974 waren über 1.600 Frauen in Hoheneck inhaftiert – ausgelegt war das Gefängnis für etwa 600. Zwischen den Stockbetten in den Zellen schliefen sogenannte “Bodenschläfer”.

Schlechte Verpflegung und Kellerarrest

Schlafplätze, Verpflegung, Sanitäranlagen – in Hoheneck fehlte es an allem. Auch die Freizeitgestaltung war streng reglementiert: Ingeborg Linke hat in den 5 Jahren, die sie in Hoheneck verbracht hat, nur ein einziges Buch gelesen. Ellen Thiemann erinnert sich, dass es verboten war, zu singen oder Fremdsprachen zu üben. Hinzu kamen Demütigungen und Schikanierungen: Wer aufbegehrte, wurde bestraft – durfte eine Zeit lang keinen Besuch mehr empfangen, kam in Isolationshaft oder musste in den Kellerarrest.

Hier klicken, um das Interview anzuhören: “Gefangen in der DDR”


Ex-Stasi-Mitarbeiter auf der Regierungsbank in Brandenburg

19. Oktober 2009

Die Stasi-Altlasten der LINKEN… ein ehemaliger Aufseher der Stasi-UHA in Frankfurt/Oder als Abgeordneter in der Brandenburgischen Regierung!!!

Video hier.


War die DDR ein Unrechtsstaat?

22. Juni 2009

megaphonDiese Frage ist momentan Gegenstand des öffentlichen Diskurses. Doch was man da mitunter zu hören bekommt hat mich wirklich entsetzt. Natürlich war die DDR eindeutig ein Unrechtsstaat und eine Diktatur - es gibt genügend Beweise und Zeitzeugen, die dies belegen können! Wer etwas anderes behauptet, ist entweder blind oder gehört zu den Ewiggestrigen, die bewusst beschönigen und Ablenkungsmanöver inszenieren. Genau diese ehemaligen Lakaien der Diktatur sind nun wieder aktiv und versuchen uns einzureden, dass es „so schlimm ja nicht war“.

Wenn ich mir die jüngere Generation anschaue, bin ich auch immer wieder erschrocken, wie wenig sie eigentlich über die DDR-Diktatur weiß. Hier gibt es großen Aufklärungsbedarf. Gemäß einer Studie unter Gymnasiasten in Ost und West antworteten diese 2008 mehrheitlich: „Die DDR war keine Diktatur“, „Die Stasi war ein Geheimdienst, wie ihn jeder andere Staat auch hat“, „Die Mauer wurde von den Alliierten bzw. der Bundesrepublik gebaut“, „Adenauer und Brandt waren DDR-Politiker“ oder „Unter Erich Honecker gab es demokratische Wahlen“.  Wenn ich so etwas höre, stehen mir die Haare zu Berge. Was wird in unseren Schulen unterrichtet, frage ich mich, wenn Schüler noch nicht einmal die Basics wissen? Gleichzeitig schwelgen viele der Älteren in Ostalgie – kein Wunder, dass es die Jugend nicht besser weiß! Woher sollen sie wissen, weshalb die Menschen 1989 auf die Strasse gingen, wenn es ihnen gar nicht oder durch ein falsches Bild vermittelt wird? Anhand der haarsträubenden Ergebnisse der Studie ist auch offensichtlich – und das sagten die Schüler selbst – dass das Thema DDR-Geschichte im Unterricht generell zu wenig oder überhaupt nicht vorkommt.

Ein differenziertes Geschichtsbild ist deshalb dringend notwendig. Die Vergangenheit muss nicht nur zu Feiertagen ins politische Bewusstsein zurückgeholt werden. Hier sind die Medien und vor allem auch die Politik gefragt. Es ist mir absolut unverständlich, weshalb diverse Politiker sich weigern, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Weshalb nennt niemand die Dinge beim Namen? Eine Diktatur, in der die Herrschenden die eigene Bevölkerung einmauerte, in der Zwang, Einschüchterung und Unterdrückung herrschten, in der Grundrechte mit Füßen getreten wurden, in der es Todesstreifen und einen Schiessbefehl gab, in der Wahlbetrug betrieben wurde… Was soll das sein, wenn nicht ein Unrechtsstaat? Und das waren doch die wahren Gründe, weshalb mehr als 4 Millionen DDR-Bürger den Staat in Richtung Westen verließen und nicht, weil man keine Spreewaldgurken oder Bananen kaufen konnte oder weil man 14 Jahre auf ein Auto warten musste.

Ich hoffe jedenfalls, dass es 20 Jahre nach dem Ende der DDR-Diktatur gelingt, uns kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Meiner Meinung nach sind wir dazu verpflichtet. Der Philosoph George Santayana hat sicher recht, als er sagte „Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“.


Herzlich Willkommen!

21. Juni 2009

Ich freue mich, dass Sie hier in Zeiten des allgemeinen Desinteresses in Bezug auf DDR-Geschichte vorbeischauen. Sie gehören zu einer seltenen Spezies – Hut ab! ;-)

Worum geht es auf diesen Seiten?

Juni 2004 in HoheneckPrimär möchte ich einen möglichst umfassenden Überblick über das Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg geben. Dieses Frauenzuchthaus war ein berüchtigtes Gefängnis in der DDR, in dem bis zum Ende der DDR im November 1989 viele politische und andere Gefangene gelitten haben. Zwar gibt es schon die eine oder andere Webseite, aber das reicht mir nicht aus und je mehr darüber berichtet wird, umso besser ist es. Die Ewiggestrigen versuchen ohnehin alles tot zu schweigen oder veranstalten Ablenkungsmanöver, denen es, meiner Meinung nach, entgegenzutreten gilt.

Ich selbst kam mit 19 Jahren in eben dieses Zuchthaus – bin also bestens damit vertraut – und war insgesamt 21 Monate als politische Gefangene inhaftiert. In meinem Buch “Gefangen im Stasiknast: Tagebuch einer politischen Gefangenen im Frauenzuchthaus Hoheneck” habe ich meine Erlebnisse veröffentlicht und verarbeitet.

Leider ist der öffentliche Diskurs und die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit in unserem Land sehr schleppend. Die Opfer sind in Vergessenheit geraten, die mutigen Demonstranten, die 1989 die Wende herbeiführten mehr oder weniger auch, und die Täter leben ungenannt und unbehelligt ein Leben in einem demokratischen System, das sie selbst nie zugelassen hätten. Auch darüber – über die Aufarbeitung der jüngeren Geschichte -  möchte ich in diesem Blog berichten.

Willkommen

Ich lade Sie herzlich ein, sich ausgiebig zu informieren, Fragen zu stellen und Kommentare abzugeben.

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