Brief der Regisseurin Kristin Derfler an die Frauen von Hoheneck

12. November 2011

Liebe Frauen von Hoheneck,

mit der überwältigenden Ausstrahlung der beiden Filme am Mittwoch ist für uns ein langer Weg erfolgreich zu Ende gegangen, der von vielen Felsbrocken überlagert war.

Wir sind glücklich und sehr erleichtert, dass dieser Abend im Hauptprogamm der ARD zur primetime stattgefunden hat und wir hoffen, nach dem Anschauen der stark gekürzten und veränderten Fernsehdoku, seid ihr immer noch zufrieden mit dem Ergebnis. Unsere lange Fassung gibt es bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur unter dem Titel „Ein Tag zählt wie ein Jahr“.

Wir möchten euch danken, für euer Vertrauen, das ihr uns in den letzten Jahren geschenkt habt, denn dieser Mut, EUER Mut ist Millionenfach gesehen und belohnt worden. Fast sechs (6!) Millionen Zuschauer bundesweit haben sich zwei Stunden an diesem Abend, dem 9. November 2011, mit euren Schicksalen und Hoheneck beschäftigt.

Für uns war die gemeinsame Zeit mit euch sehr bewegend. Wir haben viele tolle Frauen und spannende Persönlichkeiten kennenlernen dürfen und dafür sind wir sehr dankbar.

Jede von euch hätte es verdient, einzeln gewürdigt und vorgestellt zu werden. Aber auch wir sind nicht „frei“ und mußten Kompromisse machen. Deshalb mußten wir auch irgendwann bestimmte Entscheidungen treffen, sie sind uns nicht leicht gefallen, aber wir sehen in den vier exemplarisch vorgestellten Frauenschicksalen und ihren Familien JEDE EINZELNE von euch: Ihr seid Kameradinnen, trotz der vielen, sehr unterschiedlichen Schicksale zu unterschiedlichen Zeiten und vor allen Dingen seid ihr in euren Seelen vereint, in einer für euch alle überaus schmerzvollen Leidenszeit. Dessen solltet ihr euch immer bewußt sein.

Es ist nicht vorbei – so lautet der Titel des Spielfilms. Vieles ist nicht vorbei, noch lange nicht bewältigt und aufgearbeitet. Aber ein kleiner, bescheidener Anfang ist gemacht: Heute kann keiner mehr sagen, er oder sie habe noch nie etwas vom Frauengefängnis Hoheneck gehört.

Wir wünschen euch weiterhin viel Kraft für euren Kampf für eine würdige Gedenkstätte und ihr könnt stets auf unsere Unterstützung zählen.

Genießt den Erfolg, liebe Hoheneckerinnen – es ist in erster Linie und ganz allein EUER Erfolg!

Unser spezieller Gruss richtet sich an die Kinder und Familienangehörigen der Hoheneckerinnen. Ihnen gebührt unser Respekt, denn sie mußten mit den Folgen ihrer eingesperrten Mütter und Väter alleine zurecht kommen.
Das Schlimmste am Schlimmen ist, nicht darüber reden zu können. Deshalb: Hört nie auf Fragen zu stellen und sucht das Gespräch.

Herzliche Grüsse,

Eure Filmemacher Kristin Derfler+Dietmar Klein


ARD-Spielfilm „Es ist nicht vorbei“

12. November 2011

Der kürzlich in der ARD gesendete Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ wurde von knapp 6 Millionen Menschen in der Bundesrepublik gesehen (Quote lt. ARD 18,3%). Die sich anschließende Dokumentation „Die Frauen von Hoheneck“ von Kristin Derfler und Dietmar Klein erreichte mit 17,3 % Quote ebenfalls sehr viele Menschen. Trotz der Freude über dieses ausgezeichnete Ergebnis, wurde die Ausstrahlung überschattet von einem Bericht über die Stasi-Verstrickungen des Schauspielers Ernst-Georg Schwill, der passenderweise auch noch einen Ex-Führungsoffizier der Stasi darstellte. Um ein Haar wäre der Film deshalb sogar auch dem Programm genommen worden! Dabei war die Stasitätigkeit von Schwill offensichtlich schon länger bekannt. Die Vereinigung 17.Juni 1953 e.V. berichtet:

„Tatsächlich hatte die BILD am SONNTAG und im Gefolge zahlreiche Zeitungen bereits 2006 über die Vorwürfe gegen den TATORT-Schauspieler breit und umfassend berichtet, wie Recherchen des Fördervereins BuG Hoheneck zwischenzeitlich ergaben. Insoweit war der gestrige hier veröffentlichte Vorwurf gegen BILD unzutreffend, BILD sei seiner Aufklärungspflicht nicht oder unzureichend nachgekommen. Auch der Autor des gestern in BILD veröffentlichten  Artikels, Hans Wilhelm Saure, hatte bereits 2006 ausführlich in BILD am SONNTAG über diesen Komplex berichtet.

Auffällig in dieser vor fünf Jahren verbreiteten Information sind die vielfach zitierten Anfragen an den RBB, der zusammen mit dem SWR und dem Film-Studio Hamburg den Hoheneck-Film produziert hatte. Der RBB hatte seinerzeit „eine Prüfung der Vorwürfe“ zugesagt, diese Prüfung aber offensichtlich nicht oder nur unzureichend durchgeführt. Jedenfalls scheinen danach die RBB-Verantwortlichen durchaus in der Lage gewesen zu sein, ihre Produktions-Partner vor einer Besetzung der Rolle des einstigen Führungsoffiziers mit dem offenbar Stasi-belasteten Schauspieler zu warnen oder gar nicht erst zuzulassen. Es stellt sich hier aus unserer Sicht, der einstigen Verfolgten  des DDR-SED-Regimes nicht die Frage nach einem ARD-Skandal, wie BILD titelte, sondern die Frage nach einem möglichen Skandal im RBB: „Wir erwarten eine solide und konsequente Prüfung der Vorgänge und Abläufe im Sender, damit in Zukunft derartige Pannen nicht mehr passieren,“ erklärte die Vorsitzende des Hohenecker Vereins nach Kenntnis der Fakten. Es sei ein erheblicher Unterschied, ob „der Sender trotz dieser Vorwürfe eine bekannte Krimi-Serie mit einem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter besetze, was an sich schon schlimm genug sei. Nicht hinnehmbar sei die Besetzung in einem derart wichtigen Film, der gerade die Verstrickungen eines Stasi-IM und die daraus resultierenden Langzeitfolgen  für die Opfer zum  Thema habe.“

Trotzdem bleibt Sterneberg dabei: “Unabhängig von diesen Vorwürfen, die uns alle überrascht und schockiert haben, sei die Rolle von Schwill überzeugend und frappierend echt gespielt worden.“ Vielleicht habe er damit im Nachhinein einen  wichtigen  Beitrag geleistet und habe so als Belasteter einen eindrücklichen Blick in die heutige Psyche ehemaliger Stasi-Obristen ermöglicht.

Schwill lag mit seiner 2006 selbst geäußerten Befürchtung offenbar bisher falsch: „Jetzt beginnt die Hexenjagd. Ich bekomme wohl keine Arbeit mehr“, hatte er seinerzeit gegenüber dem Berliner Kurier geäußert. Denn  seit der ersten Aufdeckung seiner offenbaren Verstrickungen konnte sich der Schauspieler über Einschränkungen seiner schauspielerischen Tätigkeit nicht beklagen.“

 

 

 


DDR-Martyrium: „Es ist nicht vorbei“

10. November 2011
Meine Horrorjahre im Frauenknast der Stasi

Am 7. November geht Tatjana Sterneberg (59) durch die Hölle. In jedem Jahr. Heute vor 38 Jahren wurde sie verhaftet – weil sie liebte. Die gebürtige Lichtenbergerin wollte ihren Italiener, ihren Antonio Borzachiello heiraten und stellte einen Ausreiseantrag. Statt vor dem Altar landete sie im sächsischen Frauenzuchthaus Hoheneck, saß dort wie rund 8000 Andere unter menschenunwürdigen Bedingungen in Haft. Von ihren Erlebnissen und Verletzungen erzählt der ARD-Fernsehfilm „Es ist nicht vorbei“.

„Er spiegelt dass wieder, was wir Frauen in Hoheneck durchmachten“. Mit fester Stimme lobt Tatjana Sterneberg Film (Mittwoch, 20.15 Uhr) und Hauptdarstellerin Anja Kling (41) im KURIER-Gespräch. Doch ihre Gedanken schweifen ab ins Jahr 1973. Zu tief sind die Narben, die die Haft hinterließ.

Ohne, dass der Reporter nachhaken muss, erzählt die heute 59-Jährige von ihrem Martyrium. Als blutjunge Kellnerin im Hotel „Stadt Berlin“ (heute „Park Inn“) lernte sie den feurigen Antonio, damals 27, aus West-Berlin kennen – die Liebe schlug ein wie der Blitz. Schnell stand fest: Hochzeit sobald wie möglich, Tatjana stellte einen Ausreiseantrag – und wurde fortan von der Stasi überwacht. In der Geheimoperation „Hänsel und Gretel“ wurde sie über einen Lockvogel und dessen angeblichen Schleuser-Ring hereingelegt, wurde heute vor 38 Jahren in ihrer Wohnung verhaftet.

„Damit begann die schlimmste Zeit meines Lebens. Wegen „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme und Vorbereitung zum ungesetzlichen Grenzübertritt“ verurteilten sie Richter zu drei Jahren und acht Monaten Haft im Frauenknast Hoheneck. Für Sterneberg die Hölle auf Erden. Auf 24 Quadratmetern schliefen 24 Frauen in dreistöckigen Etagenbetten. „Zwei Toiletten mussten wir uns mit 48 Häftlingen teilen.“ Tatjana begann sich zu wehren, eckte immer wieder mit Wärterinnen an – Einzelhaft.

Quelle: Berliner Kurier, Markus Böttcher, 7.11.2011

 

 


Staatsfeind wegen der Liebe

19. September 2011

Tatjana Sterneberg wollte einen Italiener heiraten und landete dafür drei Jahre im Gefängnis

ORANIENBURG – Ein Italiener mit dem schönen Namen Antonio hatte es ihr angetan. Er war groß, sah gut aus und hatte Manieren. Zur ersten Verabredung schenkte er ihr Blumen. Doch es gab ein Problem. Tatjana Sterneberg lebte und arbeitete in Ost-Berlin, im Stadt-Hotel-Berlin, dem heutigen Park Inn. Antonio arbeitete in West-Berlin. Weil die DDR ihren Ausreiseantrag ablehnte, plante das Pärchen die Flucht in den Westen. Doch die Stasi kam ihnen zuvor.

Am 7. November 1973 nahmen drei Männer Tatjana Sterneberg, geboren 1952 in Ost-Berlin, „zur Klärung eines Sachverhaltes“ mit zum Verhör. Am 13. Mai 1974 wurde sie wegen „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme und Vorbereitung zum ungesetzlichen Grenzübertritt“ zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt und ins berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck im Erzgebirge verschleppt. Was folgte, erzählte Tatjana Sterneberg gestern Schülern am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum in Oranienburg.

Mit bis zu 24 Frauen auf 30 Quadratmetern erlebte Tatjana Sterneberg in einer Zelle eingepfercht Schlimmes. Es gab die perfiden Verhörmethoden und den Psychoterror der Stasi. Und dann immer wieder Schläge, Isolationshaft und Folter. Tatjana Sterneberg verlor sogar ein Kind im Gefängnis. 1976 schließlich wurde sie vom Westen freigekauft. „Wir waren froh, dass wir das alles hinter uns hatten. Wir sind auf den Boden gefallen, haben den Boden geküsst“, berichtet sie von ihrer Ankunft in Westdeutschland.

Später erfuhr Sterneberg, dass die Stasi sie mit gesundheitsschädigenden Psychopharmaka vollpumpen ließ und sie von Spitzeln umgeben war. Der Arzt, Mithäftlinge, sogar der Seelsorger im Gefängnis hatten sich von der Stasi einspannen lassen.

Für Tatjana Sterneberg begann nach ihrem Martyrium in Hoheneck zunächst eine glückliche Zeit. Ihren geliebten Antonio, der selber zwei Jahre in Haft saß, heiratete sie 1977 in Neapel, anschließend zog das Paar nach Westberlin. Aus der Ehe stammt ein Kind.

Doch die Geschichte hat sie eingeholt. Nach ihrer Haft litt sie unter Panikattacken, konnte sich nicht in kleinen Räumen aufhalten. Dann, als die Mauer fiel, fiel Tatjana Sterneberg in eine tiefe Depression. Erinnerungen kamen hoch. Manchmal glaubte sie, der Boden unter ihr würde sich auftun und sie verschlucken. Eine „post-traumatische Belastungsstörung“, so die Diagnose. Sie hat inzwischen Therapien gemacht und gelernt, mit ihrem Trauma umzugehen. Dazu gehörte auch, mehr über die DDR zu erfahren und ihre Peiniger zur Rede zu stellen.

Einmal hat sie auch den Arzt, der sie in Hoheneck mit Psychopharmaka ruhig stellte, besucht. Er praktiziert heute in Ahrensfelde. Von Reue keine Spur.

Quelle: Sebastian Meyer, 17.9.2011, Märkische Allgemeine


Offener Brief an eine Hoheneckerin

12. September 2011

Liebe Anneliese,

in diesen Tagen und Wochen denke ich besonders an Dich. Warum?

Als ich Dir vor jetzt 49 Jahren als erster Leiter der damaligen Ausstellung an der Mauer in der Bernauer Straße begegnete, war ich gerade einmal 18 Jahre alt. Zwar hatte ich einen  ersten Hungerstreik (am Mahnmal für Günter Litfin) hinter mir und u.a. auch schon einmal im November 1961 eine Demo gegen die Mauer stark beeinflusst. Aber all diese ersten Anfänge eines aktiven Engagements konnten Deine schlimmen Erfahrungen nicht annähernd toppen, wie es heute neudeutsch heißt.

Du warst gerade einmal um die dreißig Jahre alt und hattest schon 10 Jahre in dem DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck hinter Dir. Mich hat Dein Schicksal damals wie heute tief berührt.

Zum ersten Mal erfuhr ich nicht aus der Literatur sondern von einem leibhaftigen Menschen über die schweren Verbrechen des „ersten  Arbeiter und Bauernstaates auf deutschem Boden“ gegen Menschen, gegen die Menschlichkeit. Von Dir erfuhr ich erstmals von dem Wirken der „Kampfgruppe gegen  Unmenschlichkeit“ (KgU), von dem doch sehr differenziert zu sehenden Engagement ihres Gründers, unseres damals verehrten „Doktors“ Rainer Hildebrandt, dem Begründer der ersten Mauerausstellung in der Wolliner- Ecke Bernauer Straße. Er hatte Dich nach fünfjähriger Haft in Hoheneck überredet, erneut Flugblätter in Ost-Berlin zu verteilen, dies sei jetzt völlig gefahrlos für Dich. Du wurdest erneut verhaftet und musstest die nächsten  fünf Jahre wieder in Hoheneck zubringen.

Hier weiterlesen: Offener Brief

Quelle: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., http://17juni1953.wordpress.com/tag/hoheneck/


Erstes Konzept für Hoheneck

6. September 2011

Erstmals haben sich Besitzer, Opferverein und Stadt auf eine gemeinsame Nutzungsvariante verständigt

Stollberg. Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund. Wenn dies stimmt, dann wird die Zukunft für das Ex-Frauengefängnis Hohen-eck sehr gut. Denn zu lange konnten öffentliche Hand, Opferverbände und der Besitzer der Immobilie keinen Draht zueinander finden. Doch das ist nun anders. Ein erstes Konzept für die berühmteste leer stehende Immobilie der Region liegt vor. „Alle Beteiligten halten es für umsetzbar. Aber es ist nur ein Beginn, auch noch nicht finanziell untersetzt“, so Prokurist Jens Franz im Auftrag des saarländischen Schloss-Eigentümers Bernhard Freiberger.

Der Südflügel: Gedenkstätte

Nach seiner Aussage – und der anderer Entscheider – soll nicht mehr das gesamte Schlossareal eine Gedenkstätte sein. Dafür ist der Südflügel mit den Wasserzellen, die einst Bundespräsident Christian Wulff besuchte, vorgesehen. Regelmäßige Führungen sind geplant – aber auch eine Einbettung in ein museales Rahmenkonzept, welches die gesamte Historie des Schlosses für Interessierte zeigt. Der Kern dessen, so sind sich alle einig, soll aber die Zeit als DDR-Frauengefängnis sein. Der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen soll zudem Räume im Eingangshaus erhalten, welches in den Hof führt. [...]

Weiterlesen hier

Quelle: Jan Oechsner, Freie Presse, 6.9.2011


Abrisse geplant

21. Juli 2011

Stollberg plant Abrisse im Schlossareal

Einige Stadträte bringen Denkmalschutz zur Debatte

Stollberg. Der Stadtrat hat am Montag Geld zum Abriss einzelner Nebengebäude von Schloss Hoheneck bewilligt. Es handelt sich dabei beispielsweise um die alte Turnhalle, die ehemalige Wäscherei, die Kohlenanlage, das Heizhaus und andere abrissreife Nebengebäude auf dem Areal. Der geplante Abbruch ist Teil eines Stadtteilkonzeptes, welches für den gesamten Ortsteil Hoheneck möglichst bis Jahresende erstellt werden soll. [...]

Erst Mitte Mai diesen Jahres hatte Bundespräsident Christian Wulff das ehemalige DDR-Frauengefängnis besucht und dazu aufgerufen, die Erinnerung an die deutschen Unrechtsregime wachzuhalten. Im Vorfeld des Besuches von Wulff hatte der Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, die Rettung des ehemaligen Frauengefängnisses Hoheneck als Gedenkort gefordert. An keiner anderen Stelle hätten Frauen zu DDR-Zeiten so gelitten wie hier. Eine Möglichkeit wäre, dass frühere Gefängnis unter das Dach der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zu nehmen. Nach langen Querelen zwischen dem Besitzer der Immobilie und dem Frauenkreis ehemaliger Hoheneckerinnen hinsichtlich der Zukunft des Gebäudes hatten beide Seiten vor kurzem signalisiert, sich für eine gemeinsame Lösung stark zu machen.

Quelle: Jan Oechsner, FREIE PRESSE, 18. 07. 2011

Ganzer Artikel hier


Interview

23. Mai 2011

Gefangen in der DDR

Interview mit Ellen Thiemann und Ingeborg Linke. Ein Beitrag von Julia Möckl

Die Ellen Thiemann und Ingeborg Linke stehen nebeneinander vor einer Plakatwand.Burg Hoheneck thront wie eine Festung über der Stadt Stollberg im sächsischen Erzgebirge. In der DDR wurde die Burg zum größten Frauengefängnis der DDR. Ein großer Teil der Frauen wurde aus politischen Gründen gefangen gehalten.

„Mörderinnen sind mir lieber als Sie“ – so wurde Ingeborg Linke begrüßt, als sie in Hoheneck ankam. Die Hierarchien waren von Anfang an klar: Kriminelle standen über den politischen Gefangenen, die als „Staatsverbrecher“ betitelt wurden.

25 Jahre für angebliche Spionage

Frauen wie Ingeborg Linke bildeten die erste Generation der Hoheneckerinnen. Zusammen mit ihr kamen 1950 über 1000 Frauen nach Hoheneck, die Ende der 40er Jahre noch vor sowjetischen Militärtribunalen in der SBZ angeklagt wurden. Ingeborg Linke wurde wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren verurteilt. Einen Verteidiger bekam sie nicht – der Prozess war eine Farce. Wie Ingeborg Linke landeten in dieser Zeit auch viele andere Frauen unschuldig im Gefängnis.

Republikflüchtlinge und „Bodenschläfer“

Später kamen vor allem Frauen nach Hoheneck, die wegen versuchter Republikflucht von DDR-Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Eine davon war Ellen Thiemann. Sie war Mitte der 70er Jahre inhaftiert, einer Phase, in der das Gefängnis Hoheneck deutlich überbelegt war: Im Mai 1974 waren über 1.600 Frauen in Hoheneck inhaftiert – ausgelegt war das Gefängnis für etwa 600. Zwischen den Stockbetten in den Zellen schliefen sogenannte „Bodenschläfer“.

Schlechte Verpflegung und Kellerarrest

Schlafplätze, Verpflegung, Sanitäranlagen – in Hoheneck fehlte es an allem. Auch die Freizeitgestaltung war streng reglementiert: Ingeborg Linke hat in den 5 Jahren, die sie in Hoheneck verbracht hat, nur ein einziges Buch gelesen. Ellen Thiemann erinnert sich, dass es verboten war, zu singen oder Fremdsprachen zu üben. Hinzu kamen Demütigungen und Schikanierungen: Wer aufbegehrte, wurde bestraft – durfte eine Zeit lang keinen Besuch mehr empfangen, kam in Isolationshaft oder musste in den Kellerarrest.

Hier klicken, um das Interview anzuhören: „Gefangen in der DDR“


Hoheneck lebenslang

14. Mai 2011

Bundespräsident Christian Wulff besuchte das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck – Für politische Gefangene ein lang erwartetes Zeichen

Stollberg. Carla Ottmann war seit ihrer Entlassung nicht mehr hier. Hier in Hoheneck. Als der Besuch des Bundespräsidenten näher rückte, begann sie, sich Bilder anzuschauen. Wie sieht Hoheneck heute aus? Sie las, dass ein Investor ein Hotel in dem Knast unterbringen wollte. Sie erfuhr, dass ein Film gedreht worden war. Sie tastete sich heran. „Bisher hatte ich kein Bedürfnis, hinzufahren“, sagt die Berlinerin. Was ist ihr Bedürfnis, jetzt, über 30 Jahre nach ihrer Entlassung?

Festakt am Freitag in Hoheneck. „Ich möchte Ihre Arbeit ehren durch meine Anwesenheit“, sagt Bundespräsident Christian Wulff. „Es ist wichtig, dass Sie Ihre Stimme erheben zu einem lauten: Nie wieder! Dass Sie über Ihre Erlebnisse hier in Hoheneck, in Bautzen, in Hohenschönhausen berichten.“ Es geschehe stellvertretend auch für jene, die nie die Kraft dazu finden konnten, über die Folter zu sprechen. Carla Ottmann besucht regelmäßig Schulen, um Jugendlichen zu berichten, wie es ihr ergangen ist in der DDR. [...]

Ganzen Artikel lesen: Hoheneck lebenslang

Quelle: Eva Prase, Freie Presse, 14.05.2011


Wulff besucht Frauengefängnis Hoheneck

13. Mai 2011

Der Bundespräsident hat sich Zeit für ein umfangreiches Programm genommen

Stollberg (dapd-lsc). Bundespräsident Christian Wulff hat am Freitag das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg besucht. Er folgte einer Einladung des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Wulff, die sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) und Vertreter von Opferverbänden legten am Gedenkstein für die politisch Inhaftierten vor dem Gefängnis Kränze nieder.

Die Kränze wurden getragen von Stollberger Gymnasiasten, die sich im Schulunterricht mit der Geschichte von Hoheneck beschäftigt hatten. Wulff bedankte sich bei ihrer Schulleiterin für dieses Engagement.

Anschließend konnte sich der Präsident bei einem Rundgang durch das Gefängnis ein Bild davon machen, unter welchen Bedingungen die Frauen zu DDR-Zeiten inhaftiert waren. In Hoheneck saßen neben Mörderinnen, Schwer- und Kleinkriminellen auch wegen Fluchtversuchen in den Westen oder anderen politischen Delikten verurteilte Frauen. Dunkel- und Nasszellen sowie Arbeitsräume sind weitgehend original erhalten. Das Gefängnis wurde noch bis zum Jahr 2001 für den Justizvollzug genutzt.

Bei einem Festakt mit einer Ansprache von Wulff sollte am Nachmittag ein neuer Dokumentarfilm über die Frauen von Hoheneck erstmals gezeigt werden. Zum Abschluss des Besuchs ist die Eintragung des Bundespräsidenten in das Goldene Buch der Stadt Stollberg und des Erzgebirgskreises geplant.

Quelle: dapd /Freie Presse, 13.05.2011


DVD „Ein Tag zählt wie ein Jahr“

12. Mai 2011

Eine Produktion von Kristin Derfler und Dietmar Klein, gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2010. Die Stadt Stollberg in der Nähe von Chemnitz. Hoch oben über der Stadt die Burg Hoheneck. In diesem mittelalterlichen Gemäuer war das berüchtigte Frauengefängnis der DDR. Weibliche Häftlinge aus der gesamten DDR verbüßten hier ihre langjährigen Haftstrafen: Kriminelle ebenso wie die sogenannten »Politischen«, die in Opposition zur kommunistischen Diktatur standen. Zum Frauengefängnis wurde Hoheneck, als im Jahr 1950 ca. 1.100 weibliche Gefangene aus den sowjetischen Speziallagern Bautzen und Sachsenhausen hierhin überführt wurden. Die zumeist jungen Frauen waren von den sowjetischen Militärtribunalen – oftmals unschuldig – zu hohen Haftstrafen verurteilt worden und hofften durch die Überstellung an »die Deutschen« auf Haftentlassung. Das Gegenteil war der Fall – die Haftbedingungen wurden verschärft und waren unmenschlich. Der Name Hoheneck wurde und blieb ein Synonym für die Verfolgung und Inhaftierung vor Frauen aus politischen Gründen in der DDR. Die genaue Zahl der hier inhaftierten Frauen ist bis heute nicht bekannt. Schätzungen gehen von mehreren Tausend aus.

Die DVD enthält umfangreiches didaktisches Begleitmaterial, erstellt von www.paedigi.de.vu. Zudem enthalten: Ein Mitschnitt einer Veranstaltung zum Thema Hoheneck in der Goethe-Mittelschule Breitenbrunn Oktober 2009 (13 Minuten) sowie die Computeranimation »Eingemauert! Die innerdeutsche Grenze« – DW-TV, Deutsche Welle 2009 (10 Minuten).

Bestellen kann man die DVD hier: Ein Tag zählt wie ein Jahr


Konzept und Teilabriss für Schloss geplant

18. April 2011

[...] „Wir erarbeiten ein Konzept der Nutzbarkeit in Verbindung damit, die Geschichte dort lebendig zu halten und als Mahnung stehen zu lassen“ [Zitat: Schloss-Besitzer Bernhard Freiberger; Amn. d. Webmasters] Er kann sich eine Mischung aus Gedenkstätte und einer Nutzung vorstellen, die sich mit der Historie verträgt. „Ein Beispiel wäre ein Staatsarchiv. Wir haben schon mit dem sächsischen Justizminister Kontakt aufgenommen.“

Ein Miteinander schien vor einiger Zeit noch undenkbar, denn das Tischtuch beider Parteien schien für immer zerschnitten. Freiberger versuchte das Objekt zu vermarkten („Männertag im Frauenknast“), der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneck-Haftinsassinnen ging auch deshalb auf die Barrikaden.

Der Streit aber scheint beigelegt. „Wir haben letzte Woche ein gutes Gespräch mit dem Besitzer gehabt“, sagt Wolfgang Holzapfel, der Sprecher des Frauenkreises. Holzapfel spricht von „genügend Schnittstellen“ und von „Konsens“. Und dann deutete er an, dass aus dem berüchtigten Ex-Frauengefängnis durchaus eine Gedenk- und Begegnungsstätte entstehen könnte, die möglicherweise über eine Stiftung organisiert wird. „Beide Seiten haben in der Vergangenheit viele Dinge nicht so richtig gemacht, aber jetzt sind wir auf einem guten Weg“, so Holzapfel weiter.

Quelle: Jan Oechsner, FREIE PRESSE, 11.04.2011 

Ganzer Artikel hier.


Gysi: SED-Opferverband fordert gesetzliche Konsequenzen

22. Januar 2011

Nach der Ausstrahlung der Sendung „Die Akte Gysi“ am 20.01.2011, 23:30 Uhr, in der ARD hat sich die Vereinigung 17. Juni in einem Brief an den Präsidenten des Deutschen  Bundestages gewandt und dringend Konsequenzen durch das Parlament angemahnt.

In dem Schreiben an Prof. Dr. Lammert (CDU) führt der Vorstand aus, der Deutsche Bundestag solle „unabhängig einer rechtlichen  Würdigung auf eine erneute eingehende Prüfung hinwirken, ob und inwieweit Herr Dr. Gregor Gysi unter Verletzung seiner Anwaltspflichten und der ihr innewohnenden Schweigepflicht für das einstige Ministerium für Staatssicherheit der ehem. DDR Verpflichtungen eingegangen ist oder auch – evtl. im vorauseilenden Gehorsam – dem MfS Berichte unter Verletzung seiner Pflichten zum Schaden der ihm anvertrauten Mandanten geliefert hat.“


Memo

19. Januar 2011

[...] Eine überraschende Debatte hat auch Gesine Lötzsch, die Vorsitzende der Linkspartei, entfacht. Dabei schrieb sie doch nur, was sie dachte, dass nämlich Kommunismus besser sei als Demokratie. Die Maskenträger unter den SED-PDS-Linksparteigenossen tanzen seither zwar das Menuett der Relativierung. In Wahrheit aber liegt Frau Lötzsch auf Linie. Die Linkspartei ist nun einmal die direkte Nachfolgepartei der SED-Mauerbauertruppe. Sie will eine andere Republik, und sie legt über die Folterkeller der kommunistischen Gulag-Gesellschaften einen blutroten Mantel des Schweigens.

Lieber feiert man die Ikonen der eigenen Ideologie. Eine Reise durch Ostdeutschland zeigt die Wirkmacht dieser Strategie. Da sind 596 Straßen nach Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht benannt. Der frühere KPD-Vorsitzende, Stalin-Verehrer und Demokratiefeind Ernst Thälmann gibt sogar 613 Straßen und Plätzen seinen Namen. Jedes Navigationssystem zeigt Ostdeutschland auch 2011 noch als Thälmann-Land.

220-mal bewahren sogar „Straßen der Freundschaft“ den „Bruderbund mit der Sowjetunion“, wie ihn Rosa Luxemburg schon in den ersten Mord-Orgien der Bolschewisten gepriesen hat.

Nach Rosa Luxemburg heißt ja auch die Parteistiftung der Linkspartei, was wir hinnehmen, als sei das normal. Dabei empfahl die geistige Mutter ihren Genossen schon, was Frau Lötzsch nun wiedergibt: „Sozialismus heißt nicht, sich in ein Parlament zusammensetzen und Gesetze beschließen, Sozialismus bedeutet für uns Niederwerfung der herrschenden Klassen mit der ganzen Brutalität.“

Eigentlich war bereits damals klar, was Winston Churchill später auf den Punkt brachte: Der Sozialismus ist keine Utopie, sondern eine Tragödie.

(Quelle: Focus, Wolfram Weiner)


Präsident spricht Klartext

19. Januar 2011

Ein Bundespräsident soll klar Stellung beziehen; nur in die Tagespolitik einmischen soll er sich nicht.

Das ist nicht immer ganz einfach. Aber Christian Wulff hat bei der Eröffnung der neuen Stasi-Ausstellung in Berlin gezeigt, wie man Klartext sprechen kann, ohne Parteipolitik zu machen.

Der Appell des Bundespräsidenten lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:

Schluss mit der Verherrlichung und Verharmlosung der SED-Diktatur!

Schluss mit der Verhöhnung der Opfer des DDR-Regimes!

Schluss mit jeglichem Verständnis für die Handlanger von SED und Stasi!

Hier sprach ein Westdeutscher, der sich mit dem Unrecht im Osten des Landes nie abgefunden hatte. Hier sprach ein entschiedener Gegner von totalitären Regimes. Hier sprach ein Demokrat im Namen der ganz großen Mehrheit der Bürger.

Die klaren Worte des Bundespräsidenten kamen zur rechten Zeit.

Sie waren eine deutliche Antwort an alle, die 21 Jahre nach dem Mauerfall schon wieder „Wege zum Kommunismus“ suchen.

(Quelle: HUGO MÜLLER-VOGG)


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